Whatsapp gibt Telefon-Nummer an Facebook – warum das mehr ist, als nur eine Datenschutz-Änderung

August 26th, 2016 — 6:10am

Ich habe ja bekanntermaßen keine großen Berührungsängste, was Werbung mit Targeting anbelangt oder generell datengetriebene Geschäftsmodelle (nur falls das jemand in den Kommentaren zu leaken plant). Aber bei der aktuellen Meldung, dass Whatsapp nun die Telefonnummer an Facebook weitergibt, fröstelte mir doch kurz ein wenig.
Für die meisten liest sich die Meldung wie eine irgendwie erwartbare Anpassung der Datenschutzbestimmungen nach der Übernahme durch Facebook – vor allem aber liest es sich eigentlich nicht so schlimm, oder? Tochter gibt der Mutter Mobilfunknummer ihrer Kunden weiter (diese können auch widersprechen). Letztlich irgendwie auch harmlos. Allerdings muss man genau lesen, denn hier und dort heißt es, Facebook hätte damit die Möglichkeit, Nutzern bessere Angebote zu machen von Anbietern, die ebenfalls über die Telefonnummer des Kunden verfügen. Tatsächlich gibt es bei Facebook schon seit längerem für Werbekunden die Möglichkeit, ihre Kundendatenbanken hochzuladen und mit der Facebook-Kundendatenbank zu matchen, z.B. anhand von E-Mails, oder eben auch anhand von Telefonnummern. Nur war es bisher so, dass in vielen Fällen dieser match nicht klappte, z.B. weil Leute auf Facebook mit anderen E-Mails arbeiten oder weil sie ihre Telefonnummer dort nicht ablegen…
Der ganze Whatsapp-Deal macht jetzt schlagartig nochmal neuen Sinn und diese Änderung der Datenschutzbestimmungen ist deutlich mehr als nur eine kosmetische Korrektur. In Zukunft werden also Firmen, die irgendwo mal an eure Telefonnummer gekommen sind, mit einfachsten Möglichkeiten euch Werbebotschaften zustellen können und zwar personalisierte. Also wirklich im Sinne von “Mayer, warum sind sie gestern so schnell aus dem Laden gestürmt?” Und das nicht nur auf Facebook, sondern zunehmend auch außerhalb, denn FB baut die Möglichkeiten, die eigenen Daten auf Fremdwebsites fürs Targeting zu nutzen, permanent aus (wie Google übrigens auch).
Schön ins Bild dazu passt natürlich, dass Mobilfunk-Anbieter zunehmend am Datenbusiness teilnehmen wollen und Anbietern ebenfalls ermöglichen, zusätzliche soziodemographische Daten zur Mobilfunknummer anzureichern.
Damit wird die Mobilfunknummer langsam zu einer Art universal identifier, mit dem Tracking und Targeting über alle Grenzen hinweg möglich ist. Im Vergleich dazu erscheinen die bisherigen Cookies wie eine Werbetechnologie aus einer Folge der Waltons.
Das muss man im Effekt nicht schlecht finden, aber mich besorgt schon zunehmend, wie da en passant eine immer größer werdende, nun auch voll personalsierte Datenbank* entsteht, die unglaublich viele Details zu den jeweiligen Personen enthält und jetzt außerdem eindeutig der jeweiligen Person zugeordnet werden kann. Und: Es wird langsam fast unmöglich, das Internet pseudonym/anonym zu nutzen. Das ist nicht nur für Menschen, die Schutz benötigen, eine schlechte Nachricht, sondern generell für das Netz als ein Ort der offenen und kreativen Kommunikation.

*Es sind tatsächlich sogar viele Datenbanken, die sich permanent untereinander synchronisieren.

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Bundesregierung will Algorithmen regulieren – wirklich?

May 13th, 2016 — 4:39pm

Heute schreibt Patrick Beuth in der Zeit unter dem Titel “Bundesregierung will mehr über Googles Algorithmus wissen” von einem Positionspapier der Regierung zum Thema Offenlegung von Algorithmen, das offenbar an die EU-Kommission geschickt wurde um eine stärkere Regulierung von Algorithmen bei grossen Digital-Konzernen zu erreichen.
Hört sich erstmal ganz gut an, und auch ich habe diese Forderung ja vor langer Zeit (2012) in der FAZ formuliert. Die Idee dort war in drei Stufen zu verfahren, zum einen Stellen wo Algorithmen Entscheidungen treffen oder Filterungen vornehmen zu kennzeichnen (1), dann Möglichkeiten der Einsicht anzubieten, also wie der Algorithmus in diesem Fall konkret funktioniert (2), und idealerweise das ganze auch abschaltbar zu machen (3). Das würde im Falle einer News-Website z.B. bedeuten, dass man einen ungefilterten Stream sieht – so wie man bei Facebook mit etwas Mühe eine chronologische Sortierung des News-Feeds aktivieren kann anstelle der algorithmisch gefilterten.
In der Premium-Klasse würde man dann auch noch die Algorithmen selbst offenlegen.
Diese Forderungen und Ideen sind also nicht neu, auch auf der re:publica 2013 haben wir dazu ein Panel gemacht und intensiv darüber diskutiert. Aber es gab auch zahlreiche andere Initiativen und Vorträge in die Richtung.
Jetzt könnte man sagen – ja ja, steter Tropfen hölt den Stein, ist doch gut, dass darüber gesprochen wird und jetzt endlich auch in der Bundesregierung. Nun ja. Wirklich interessant finde ich, dass es jetzt so ein Papier gibt, wo doch vor wenigen Wochen die Datenschutz-Grundverordnung nach jahrelanger Arbeit endlich beschlossen wurde. Denn in dieser Verordnung gibt es einen Paragraphen zum sog. “Profiling” (Artikel 22), in der Verordnung heisst es auch “automatisierte Entscheidungen inkl. Profiling”. Dieser Paragraph sollte Fälle wie z.B. das vieldiskutierte Scoring regeln (also Schufa & Co), aber hätte theoretisch eben auch problemlos andere Fälle automatisierter Entscheidungen regeln können – eben solche wie sie im obigen Positionspapier der Bundesregierung behandelt werden. Man hätte z.B. ohne Schwierigkeiten hier eine allgemeine Kennzeichnungspflicht unterbringen können. Aber auch Auskunftsrechte wären denkbar gewesen. Allerdings hätte man dafür den Wirkungskreis des Paragraphen nicht dermassen einschränken dürfen, dass nur noch solche automatisierten Entscheidungen betroffen sind, die “eine rechtliche Wirkung entfalten” oder “erheblich einschränkend sind” (in älteren Fassungen der VO war das nicht so eingeschränkt). Denn damit dürften ziemlich sicher Anzeigen von Suchergebnissen, Filterungen von News-Artikeln und diverse andere algorithmische Filterungen aussen vor sein. Insofern finde ich es ziemlich scheinheilig, jetzt von einer Initiative zur Regulierung von Algorithmen zu sprechen – das hat man gerade erst sträflich unterlassen.
Soviel zur Bundesregierung. Im Artikel wird auch gesagt, eine Offenlegung von Algorithmen käme einer Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen gleich, und wäre damit praktisch unmöglich. Nun ja. Das wird natürlich immer wieder von den Unternehmen so vorgetragen und ist in der Tat schweres juristisches Geschütz. Aber es gibt auch in anderen Fällen schöne Beispiele dafür, wie trotzdem Auskunftsrechte und Eingriffsmöglichkeiten für User realisiert werden konnten, ohne den Unternehmen den garaus zu machen, z.B. im Fair Credit Reporting Act der FCC aus dem Jahre 1970, der regelt wie BürgerInnen Einsicht in Algorithmen, Daten und Verfahren im Rahmen von Kreditentscheidungen bekommen können. Warum sollte es nicht möglich sein, etwas ähnliches für Algorithmen im Netz hinzubekommen, zumal dort die technischen Möglichkeiten eigentlich noch viel einfachere und elaboriertere Auskünfte direkt im Kontext ermöglichen würden? Überdies müssten dafür eben nicht zwangsläufig die Algorithmen im Quelltext offengelegt werden (mal abgesehen davon, dass viele Unternehmen eh Verfahren einsetzen, die in der scientific community weithin bekannt sind) – eine lesbare Beschreibung der generellen Verfahrensweise würde in vielen Fällen auch reichen, und wenn dann noch die konkret beteiligten Daten angezeigt würden wäre die Transparenz für Internet-UserInnen schon um ein vielfaches höher als heute (das kürzlich gelaunchte Projekt algorithmwatch geht in eine ähnliche Richtung).
Ein anderes Modell, das Pate stehen könnte für eine Veröffentlichungspflicht bei gleichzeitiger Wahrung von Geschäftsgeheimnissen könnte das Handelsregister sein. Hier müssen Kapitalgesellschaften schon immer heikle Informationen aus ihrem Geschäftsbetrieb in standardisierter Form veröffentlichen – das Ziel ist hier ein vertrauensvolles Wirtschaften der Unternehmen untereinander zu ermöglichen. Bilanzen, wichtige Änderungen in der Leitungs-Struktur oder neue Beteiligungen müssen hier der Öffentlichkeit kundgegeben werden, und können mittlerweile sogar über ein Online-Portal eingesehen werden. Könnte das nicht ein Modell für Veröffentlichung von Informationen zu eingesetzen Algorithmen sein? In der aktuellen Blockchain-Hype-Debatte wird ja auch schon thematisiert, dass es zukünftig evtl. Firmen geben wird, die komplett nur aus einem in der Chain abgelegten smart contract bestehen (also einem Algorithmus) – so abwegig ist der Gedanke also vielleicht wirklich nicht.
Jedenfalls sollte man weitere Schritte in die Richtung unternehmen, ohne sich von Blender-Aktivitäten wie dem o.g. Positionspapier in die Irre führen zu lassen.

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Der geschickte Mythos von der unendlichen Arbeit

May 11th, 2016 — 9:20am

Heute ging zufällig ein frühes Video von Steve Jobs durchs Netz YouTube Preview Image
Meine spontane Reaktion (als aktuell mal wieder dreifacher Parallel-Gründer) war wie bei vielen – oh yes! Aber irgendwas in mir grummelte auch kurz, und dann hatte ich eine Parallel-Assoziation, nämlich von einer Generalversammlung in der Siedlergenossenschaft, in der meine Frau aufgewachsen ist. Das ist eine alte Hippy-Gemeinschaft, die es geschafft hat ihre vom Abriss bedrohte Siedlung in eine Genossenschaft zu überführen. Aber bei der Versammlung standen Neuwahlen eines AR-Mitgliedes an, und dabei kam die Frage auf, warum eigentlich ausnahmslos alle Positionen der Genossenschaft (also Vorstand und Aufsichtsrat) männlich besetzt seien. Kurzes heftiges hin- und her, und dann hob einer der alten Aufsichtsräte zu einer kurzen Warnrede an, das Amt sei sehr kräftezehrend, man müsse über viel Erfahrung und Fachwissen verfügen und im Schnitt mehrere Stunden(!) pro Tag investieren, wenn man es halbwegs richtig machen wolle. Aber darüberhinaus seien Frauen für das Amt natürlich herzlich willkommen. Das waren sehr ähnliche Worte wie oben bei Jobs. Und die aktuelle Quote von Frauen, die Startups gründen liegt irgendwo im einstelligen Bereich.
Hinzu kommt ein lustiges Detail aus meiner eigenen Gründer-Vita, an das ich mich erinnerte. In meinen ersten Verhandlungen mit Investoren stellte ich den Anspruch auf (wir hatten gerade ein 8-Monate altes Baby zuhause, ungefähr wie jetzt auch) in meinen CEO-Vertrag einen verbindlichen Anspruch auf Teilzeit eingebaut zu bekommen (die Firma verbrannte zu der Zeit ca 200.000 EUR pro Monat). Die Gesichter hätte ich aufzeichnen sollen für die Nachwelt… Aber es wurde ein wenig verhandelt, recherchiert und debattiert, und dann hatte ich eine 80%-Regelung drin. Auch da war das Haupt-Argument, dass Investoren sowas natürlich gar nicht gerne sähen und es eigentlich auch nicht funktionieren könnte, wenn die Mannschaft (sic) nicht zu 100% committed wäre…
Hat dann ja doch funktioniert, und übrigens hatte ich in der Gründungsphase meiner letzten Firma tatsächlich etwas mehr Zeit für die Familie als in meiner Zeit als leitender Angestellter einer grossen Marktforschungsfirma.
Man sollte also vorsichtig sein mit dem Mantra des unvermeidlichen Arbeitswahnsinns – zumal ich auch zutiefst davon überzeugt bin, dass es als Erfolgsfaktor für ein Startup nur eine mindere Rolle spielt, oftmals könnte es sogar hinderlich sein, wenn das Gründungsteam 12h pro Tag schuftet. Stumpfe-Säge-Baum-Problem sozusagen. Für ein erfolgreiches Unternehmen ist es viel wichtiger ein paar sehr gute Entscheidungen zu treffen und diese dann durchzustehen. Klar muss man manchmal auch kämpfen und sehr viel arbeiten. Aber es ermöglicht eben auch mitten in der Woche das Baby zu schaukeln (während ich dies schreibe), weil die Oma grad nicht kann und die Mama auch arbeiten ist – beide selbstständig übrigens…

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Leise digitale Zweifel

March 28th, 2016 — 3:26pm

Kürzlich war meine Frau auf einem Psychotherapeuten-Kongress, und ich Begleitpersonal. Die meiste Zeit schob ich also das Baby durch die schöne Stadt Leipzig – da wir vergessen hatten Bücher fürs Kind mit einzupacken, schaute ich auch in einer netten Buchhandlung vorbei, und erwarb ein paar Kinderbücher. Das Kind ist derzeit sehr affin für Schiebetechnik und Anfassbücher.
Bei einem Vortrag aus dem Programm des Kongresses wollte ich aber unbedingt dabei sein, und zwar dem von Christina von Braun, Kulturwissenschaftlerin, Gender-Forscherin und Filmemacherin aus Berlin. Mir war relativ egal worüber sie genau sprechen würde, denn ich habe einen Vortrag von ihr, der etwa 20 Jahre zurückliegen dürfte, als einen der inspirierendsten in Erinnerung, den ich je gehört habe. Also habe ich mich in den Kongress hineingeschummelt und hörte ihr zu – mit Baby auf dem Arm und später dann krabbelnd auf dem Boden (beide).
Der Vortrag von Christina von Braun war zum Thema “Vatersprache – Muttersprache – Alphabet” – es ging dabei um die Frage, inwiefern das Alphabet selbst historisch konnotiert ist, und insbs. geschlechtsspezifische Prägungen mit-transportiert – wo ja gemeinhin auch in der Forschung gerne mit der Annahme gearbeitet wird, die Buchstaben seien abstrakte Symbole ohne nähere Bedeutung. Der Vortrag war wieder absolut faszinierend. Fast spielerisch konnte sie darlegen, wie sehr die Einführung des griechischen Alphabetes vor etwa 3000 Jahren mit zwei anderen gesellschaftlichen Umbrüchen verbunden war – zum einen der zunehmenden Ökonomisierung (Schrift wurde überhaupt anfänglich vor allem für Zwecke der Buchhaltung entwickelt), zum anderen einem Umbruch vom matriarchalen vom patriarchalen System, einhergehend mit der Ablösung einer eher oralen Erinnerungskultur durch die schriftsprachliche. Das kann man in die verschiedensten Verästelungen nachvollziehen, z.B. in der Ordnung der Buchstaben, der Bedeutung des Buchstabens “A” (steht für Ochse, männliche Fruchtbarkeit etc. – aber auch graphisch verwandt mit diversen späteren Währungs-Symbolen, von den Viechern vor der Wallstreet mal ganz zu schweigen), aber auch darin, dass generell in der Kulturgeschichte bis heute seitdem eine Annahme kultiviert wird, die dem weiblichen eher das körperliche, und dem männlichen eher das geistige zuspricht (verbunden mit der Sprache und der Schrift). Teilweise übrigens ganz physisch zu verstehen wenn nur den Männern der Zugang zu Kultschriften gewährt wurde. Ich kann das hier nur dilletantisch wiedergeben, aber es gibt einen gut lesbaren 10-seitigen Text auf Ihrer Homepage, der das Thema gut darlegt.
Wieder zurück im Hotelzimmer führte ich meiner 9-monate alten Tochter die neu erworbenen Bilderbücher vor. Auf eines davon war ich besonders gespannt, denn es war ein sog. Sound-Buch mit eingebautem Mikrocontroller und Soundausgabe. Es heisst “hörst du die Vögel” und bietet ein paar Vogel-Bilder mit jeweils einem kleinen Touch-Punkt, bei dessen Berührung der zugehörige Vogel-Sound abgespielt wird. Sie liebt Bücher, insofern machte sie sich direkt darüber her. Spannend war aber ihre Reaktion auf das “interaktive Feature”. Sie reagierte irgendwie verwundert, fast respektvoll und weigerte sich standhaft den Punkt zu berühren. Noch tagelang ging das so, oft tat sie sogar so, als würde sie den Punkt berühren und tippte daneben…

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Die Digitalisierung. Ich gehöre ja auch zu den Apologeten einer stärkeren Umarmung derselben – egal ob im eigenen Leben, in der Schule, bei der Arbeit oder z.B. bei der Partei-Arbeit. Ich glaube, wir können die digitalen Mittel zum Besseren nutzen und sollten unsere Kinder so gut wie möglich auf eine Welt vorbereiten, in der sie überall von digitalen Dingen umgeben sein werden. Dazu gehört idealerweise auch ein Einblick in Code und wie dieser funktioniert, klar. Ich denke zwar nicht, dass jede/r programmieren können sollte, allerdings bin ich tatsächlich davon überzeugt, dass in naher Zukunft Code tatsächlich law sein wird und ein Fortbestand der Zivilgesellschaft auch davon abhängen wird, wie gut wir Code beherrschen werden. Bisweilen wird in dem Zusammenhang ja sogar die Forderung laut, Programmieren solle wie eine weitere Fremdsprache verpflichtend gelernt werden.
Eine neue Sprache…was sagte Christina von Braun in Leipzig nochmal? Sprache ist immer auch gesellschaftlicher Kontext, sie transportiert und festigt genderspezifische Strukturen, teilweise so subtil, dass es uns gar nicht als Setzung auffällt, obwohl die prägende Kraft durch das Herabsinken ins Unbewusste eher noch stärker wird.
Wir propagieren also die Einführung einer neuen Sprache – oder sogar mehr? In einer Reaktion auf meinen gestrigen Artikel zur Notwendigkeit eines digitalen Schulfaches spricht der Bildungspolitiker Richard Ralfs sogar von einer “zweiten kopernikanischen Wende” und einer neuen Dimension der Aufklärung durch die Digitalisierung.
Tatsächlich könnte es um mehr als nur eine neue Sprache gehen. Digitalisier*ung beinhaltet ja bereits die Umwandlung, also nicht nur eine neue Beschreibung der Welt, sondern eine Umwandlung, aus dem Analogen wird ein Digitales. Und aus der oralen Überlieferung eine…digitale.
Zurück zum Bilderbuch. War es vielleicht ein Schauer, der meine Tochter innehalten liess, vor dem Bedienen der digitalen Funktion? Denn tatsächlich hat die Hinterlegung mit digitalen Vogelstimmen nebst Elektronik zur Touch-Auslösung ja etwas perverses – denn ohne dies hätte ich erzählt, was für ein Vogel das ist und sicherlich versucht, das Piepen nachzumachen – ich als Papa, mit meiner eigenen Stimme, mit viel Raum zur Imagination. Stattdessen der perfekt digitalisierte Sound eines Kuckuck, jedesmal exakt gleich, in jeder Kopie des “Buches” irgendwo auf der Welt. Vielleicht wirklich ein passendes Bild dafür, wie das Digitale die Welt auffrisst und zurückverwandelt, nur dass es dann eine standardisierte Simulation ist, mit der wir uns abfinden müssen.
Ich weiss, der Gedankengang wirkt ein bisschen verwegen, ich kann auch damit leben, wenn viele dem nicht folgen können.
Wendet Euch der Digitalisierung zu, umarmt sie. Einer der stärksten Kämpfer für diesen Glauben ist ja Google..äh… Alphabet…? Oh.
Ich denke es lohnt einmal genauer hinzusehen, bevor wir diese Forderung immer wieder runterleiern. Welches Geschlechterverhältnis reproduziert die digitale Sprache? Gibt es gute Anhaltspunkte dafür, dass die digitale Sphäre wenigstens tendentiell ein weniger männerdominiertes Rollenbild transportieren wird? Wie ist das auf Tech-Konferenzen, in den Führungsetagen der Digital-Konzerne und in den digitalen Medien? Müssten wir – wissend aus welchem Schlamassel wir kommen – uns nicht sogar aktiv darum bemühen, dass die digitale Sphäre von einer feministischen Art des Codens geprägt wird, wenn wir das schon für so unvermeidlich halten (was ich tue)?
Ich bin auch kein Gender-Forscher, doch wenn ich mir Programmier-Bücher so ansehe, so ist da viel von “Kontrollstrukturen”, “Variablen-Zuweisung” und generell viel von vermeintlich harter Logik (if this, while true etc.) die Rede. Generell wohnt dem Programmieren die Idee einer Abbildbarkeit der Wirklichkeit in solchen Strukturen inne, zunehmend auch die der Reproduzierbarkeit von Wirklichkeit und Erleben.
Mich besorgt das sehr. Ich habe einfach keinen Bock für die Einführung eines neuen Systems mit geworben zu haben, das am Ende eine noch weniger gerechte und offene Gesellschaft etablieren hilft, als wir sie schon haben. Vielmehr würde ich gerne die Chance genützt sehen, dass wir wohl wirklich an so einer Zeitenwende stehen, wie die griechische Gesellschaft vor 3000 Jahren.
Damals wurde das Patriarchat und die Herrschaft der Ökonomie über die Lebensverhältnisse eingezogen. Können wir diesmal bitte etwas anderes ausprobieren?

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Muss das Baby wissen, wie man Kaffee macht?

January 24th, 2016 — 2:16pm

Heute morgen habe ich mit dem Baby auf dem Arm Kaffee gemacht. Sie ist jetzt 8 Monate alt, und ich hab ihr bei jedem Schritt erklärt, was ich da genau mache. Dabei dachte ich: werden wir je herausfinden, ob es was gebracht hat? Also ob man mit Kindern so früh schon sprechen und ihnen Sachen erklären sollte*?
Nun habe ich ja selbst Psychologie studiert, und kenne demnach die Instrumente, mit denen man solche Fragen wissenschaftlich zu beantworten versucht. Und ich muss auch sagen – die kognitive Entwicklung von (Klein-)Kindern gehörte zu den faszinierendsten Dingen, die ich in der Zeit gelernt habe. Nur – es ist ausserordentlich schwierig, da überhaupt zu validen Ergebnissen zu kommen, vieles wurde in Feldforschung (also nicht ausreichend standardisiert, um Effekte genau zuordnen zu können, zu geringe Fallzahlen) und in Einzelfallbeobachtungen erforscht, der berühmte Kinder-Psychologe Jean Piaget z.b. machte seine wichtigsten Erkenntnisse durch Beobachtung seiner eigenen Kinder.
Das ist ganz ok, aber aus forscherischer Perspektive weit von optimal entfernt. Idealerweise würde man nämlich viele Kinder in ihrer natürlichen Umgebung möglichst genau, möglichst lange (Jahre!), möglichst unbeeinflusst beobachten können – dann wäre evtl. sogar möglich zu beantworten, ob es was bringt mit Babys schon zu plaudern**. Gegen solche Untersuchungsdesigns gibt es viele Einwände, vor allem scheitern sie üblicherweise aus praktischen und ethischen Gründen.
Allerdings könnte sich das in den nächsten 20 Jahren drastisch ändern. Denn in einigen Jahren wird es relativ normal sein, dass ein Haus/eine Wohnung umfassend vernetzt ist. Sensoren in den Wänden, an diversen Maschinen, an unserer Kleidung werden permanent aufzeichnen was so passiert, und vermutlich wird uns irgendwas auch ständig beobachten und belauschen, um ggf. auf die “Fritzi, kannst Du mal bitte…” Frage anzuspringen, und mal eben neue Milch zu bestellen. Bruce Sterling hat dieses Szenario, wo der ganze Raum uns herum zum Interface wird übrigens in einem Vortrag zu Augmented Reality 2013 schon geschildert – und zwar anhand des Leap-Motion Controllers, der in einem bestimmten Bereich recht genau Bewegungen der Hand aufzeichnen kann – mit Microsoft Kinect kann heute bereits ein ganzer Raum in ähnlicher Weise permanent gescannt werden… Die Daten aus diesen Sensor-Arrays werden in einer Cloud von sehr effizienten Algorithmen analysiert – eine Ahnung vermitteln da vielleicht die aktuellen Verfahren, wie sie z.B. in Google Photos eingebaut sind, also Algorithmen (sog. deep learning Netze), die unterschiedlichste Muster in Bildmaterial erkennen, und zuordnen können. Diese intelligente Schicht wird mich dann also beobachten und aufzeichnen, dass ich mit meinem Kind geredet habe, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verstehen, was ich gesagt habe. Ausserdem wird sie verstehen, dass ich dabei vor einer Kaffeemaschine stand. So geht es weiter, und das System, nennen wir es mal “Google everywhere”, wird natürlich auch mitbekommen, wann mein Baby die erste Worte sagen wird usw.
Später dann wird es sich mit dem Daten-Hub der Grundschule vernetzen, und auch dort Lernleistungen überwachen und den Lehrern bei der Potential- und Lückenanalyse helfen und vermutlich auch individuelle Inhalte vorschlagen, oder direkt dem Kind anbieten. Übrigens ist auch diese Idee des hochindividuellen Lernen bereits heute in guten Schulen Realität, nur halt noch ohne Daten-Unterstützung.
Also – sobald dieses System hochgefahren ist, wird es tatsächlich möglich sein – zumindest korrelativ – den Einfluss von bestimmten Verhaltensweisen der Eltern auf die kognitive oder sonstige Entwicklung des Kindes zu ermitteln. Durch die hohen Fallzahlen und die ziemlich optimale Erhebungs-Situation (keine Versuchsleiter, kein Labor, keine nachgestellten Situationen etc.) wäre es dann vermutlich mit neueren statistischen Verfahren sogar möglich, recht verlässliche Kausalattributionen vorzunehmen, also wirklich zu sagen: es bringt was mit Babys zu reden. Vielleicht läuft bis dahin aber eh irgendsoein Roboter ganz selbstvertändlich im Haushalt mit, der immer auf Basis aktuellster Erkenntnisse aus der Daten-Cloud auf das Baby einplappert, auch ok.

*dass es für die Bindung und die emotionale Reifung etwas bringt ist klar, das ist auch schon ausreichend gut erforscht. Mir gehts hier vor allem um die sprachlich-kognitive Entwicklung
**streng genommen wären “experimentelle Settings” ideal, also zufällige Einteilung von Kindern in Treatment-Gruppen und mit der einen Gruppe wird geredet, mit der anderen nicht und eine dritte bekommt nur Unsinn erzählt. Das ist nur aus ethischen Gründen nicht durchführbar.

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Danke, Apple

January 12th, 2016 — 11:13pm

Meine 8-jährige Tochter ist jetzt Filmproduzentin. Genaugenommen dreht sie derzeit mit einer Freundin ihren zweiten Film, mit Storyboard, verschiedenen Szenen und Einstellungen, Sound-Untermalung, und es gibt auch einen Trailer dazu. Alles mit ihrem iPod, den es zu Weihnachten gab, ohne jegliche Unterstützung durch uns. Sie hat einfach iMovie runtergeladen, und es sich selbst beigebracht.
Drearbeiten
Mir ist klar, dass an Apples Ansatz der Kapselung von Computer-Funktionalität gerade im Bildungskontext einiges zu kritisieren ist – zu Recht. Aber es kann auch nicht geleugnet werden, wie unglaublich viel diese Firma dafür getan hat, dass Computer so viel zugänglicher geworden sind in den letzten 10 Jahren. Erinnert sich irgendwer noch, wie man früher Zusatzanwendungen auf Mobiltelefonen installieren konnte? (ja, das ging). Was es vor wenigen Jahren noch bedeutet hätte, einen Film zu produzieren, zu schneiden und mit Musik zu unterlegen? Und dann so zu konvertieren, dass andere es problemlos ansehen können? (ihren ersten Film durfte sie sogar in einer Sonder-Stunde in der Schule zeigen)
Oder die ganze Touch und Gestenbedienung – würden heute 9 von 10 Leuten in der U-Bahn in ihr Device starren, wenn es das nicht geben hätte? Ich glaube nicht. Nicht nur, weil es aus Usability-Gesichtspunkten innovativ war – ich glaube, die Touchbedienung hat die Geräte ‘magic’ gemacht, und erstmals eine lustvolle und selbst für blutige AnfängerInnen einleuchtende Bedienung eingeführt.
Und vielleicht ist es ja sogar nur der Anfang. Das Apple-Auto steht vor der Tür. Mit dem Internet of Things werden digitale Schnittstellen in immer mehr Alltagsbereichen zum Standard werden – vom Gesundheitssystem, über Bildung bis zur Steuerung von Heizung und Licht werden wir eine Neudefinition der Art und Weise erleben, wie wir mit unserer Umwelt interagieren. Und wer schonmal versucht hat das Steuergerät der Heizung umzuprogrammieren, oder den piependen Rauchmelder von der Decke zu schlagen, wird mir zustimmen, wenn ich diesem Wandel mit großer Freude entgegensehe – wohlwissend, dass es auch schwierige Schattenseiten haben wird am Ende.

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Algorithms welcome

January 4th, 2016 — 11:25pm

Für die Weihnachtsferien hatte ich mir vorgenommen, endlich mal unser Bilder-Chaos in Ordnung zu bringen – also die mutmasslich tausenden von Digital-Fotos auf unterschiedlichsten Devices sicher abzulegen, und mit Redundanz auszustatten. Hatte ich mir übrigens auch letztes Jahr schon vorgenommen, und davor auch schon. Diesmal hat es geklappt, genaugenommen bin ich seit 3 Tagen und Nächten noch dabei, die annähernd 100.000 Fotos (kein Witz) auf 6 unterschiedlichen Laptops und aus anderen Online-Quellen zusammenzutragen, auf ein lokales NAS zu speichern, aber zugleich auch auf einen Cloud-Service, konkret Google Photos.
Ein bisschen hatte ich auch Angst vor dieser Aktion, nicht nur wegen dem vermuteten Zeitaufwand und dem Horror vor uralten Laptops und den Untiefen der Verzeichnissysteme, sowie dem Knacken bescheuerter Apple-Beschränkungen, um an die echten Files dranzukommen. Der Horror hatte auch noch eine tiefere Quelle, nämlich weil es so ein unüberwindbares Chaos zu sein schien. Hatte zwar nur mit etwa 20-30k Bildern gerechnet, aber wie sollte man in diese irgendeine Art von Ordnung und Struktur reinbringen, so dass das neue Archiv auch überhaupt irgendeinen Sinn machen würde?
Für mich ist das auch ein gutes Sinnbild des Digitalen, oder der “Digitalisierung”, wie man es jetzt so gerne nennt. Es explodiert förmlich, nicht nur weil irgendwelche Firmen es so wollen, sondern auch und vielleicht vor allem weil wir die neuen Möglichkeiten explosionsartig mehr nutzen. Man fotografiert anders heute – gleichzeitig entziehen sich die anfallenden Artefakte aber den klassischen Ordnungsprinzipien der analogen Welt immer mehr. Erst haben wir aufgegeben, Fotoalben zu machen. Dann haben wir aufgegeben, die abgespeicherten Bilder zu benennen (ist wirklich so, Bilder aus 2007 haben häufig noch sprechende Datei-Namen). Dann haben wir aufgegeben, eine bestimmte Ordner-Struktur dafür anzulegen, und zu pflegen (ungefähr ab 2009) – geholfen haben dabei aufkommende Universal-Suchmaschinen für lokale Dateien, die Ordner-Strukturen gestrig aussehen liessen. Und jetzt stehe ich hier vor einem Berg von 100.000 Fotos aus Urlauben, Kindergeburtstagen, Selfies, Besuchskindern, Geburten, Weihnachten vor und zurück, Skiurlaube, Strandurlaube…
Kuratieren wäre eine Möglichkeit, einfach mal aus dem Berg die schönsten 500 Fotos raussuchen, dabei wichtige Ereignisse nicht vergessen usw. – puh. Und dann ab jetzt schön aktuell halten.
Kurz hatte ich auch überlegt, mit viel Mühe wieder eine Ordner-Struktur einzuziehen, mit bisschen grep-Unterstützung. Verworfen.
Doch dann meldete sich Google zum ersten mal mit einem kleinen roten Sternchen im Reiter “Assistent”. Eine Reihe von Animationen und kleinen Filmchen sowie diverse Collagen aus allen hochgeladenen Bildern lag zur Ansicht bereit. Oh. Erstmal mit spitzen Fingern angesehen und…positiv überrascht. Meine Frau dazugerufen, und uns amüsiert über ein paar Beispiele – etwa 70% der Vorschläge speicherten wir gleich permanent ab. Dann kamen weitere Vorschläge rein. Zwei davon verschickten wir alten Freunden, mit denen wir vor Jahren im Urlaub waren*. Mehrere zeigte ich der Großmama, als sie heute kurz zum Kaffee reinkam. Und es kommen weitere.
Dann wollte ich mal kurz die Suche ausprobieren. Der Startbildschirm der Suche überraschte mich mit zig Kacheln, die Fotos thematisch gruppierten, der erste Block nach Orten – ok, das war zu erwarten. Doch der zweite Block hatte als Sortierungen Kategorien wie “Weihnachten”, “Berge”, “Strand”, “Sonnenuntergang”, “Motorräder” usw. zur Verfügung. Ziemlich spektaktulär, insbs. auch da ich erst vor wenigen Tagen den grossartigen CRE-Podcast zum Thema “deep learning” gehört hatte, in dem es genau um diese Technik ging.

google_photos

Unnötig zu sagen, dass Google kleine Helper für jede Art von Device anbietet, die automatisch neue Bilder reinsaugt, und die Kategorien selbstlernend sind, und ausserdem ständig wieder so nette kleine Nachrichten eintrudeln, dass wieder neue Vorschläge des Assistenten vorliegen…
Ach, und natürlich Face-Recognition! Die ist zwar in Europa per default abgeschaltet, aber ein kleiner VPN-Tunnel Trick genügt, und schon ist auch dieses Feature aktiv. Super praktisch und erstaunlich treffsicher.
Google kann jetzt also für mich beantworten, wann meine Tochter einen Strandurlaub hatte, und bei welchem Weihnachtsfest meine Mutter dabei war. Nur für mich? Ok, das war jetzt bemüht reingearbeitet, stimmts? Weil diese Creepieness sich meiner Ansicht nach hier gar nicht so aufdrängt, es ist einfach super-praktisch und wirklich ziemlich magic, was die Algorithmen da so für mich tun. Und dennoch _ist_ es verdammt creepy…
Also stelle ich mir diese Frage:
Kann es sein, dass wir mit der Digitalisierung tatsächlich unausweichlich unsere Belastungsgrenze in Sachen Creepieness verschieben werden? Es schon lang tun? Dass Digitalisierung überdies gar nicht anders geht, als mit der Hilfe von Algorithmen? Wir das vielleicht bald schon stinknormal finden werden, genauso wie es uns komisch vorkäme, eine viel befahrene Kreuzung mit was anderem als Ampeln zu regeln? Und, falls die Antwort ja sein sollte – für das Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber den Algorithmen wäre das schon harter Stoff, wenn es bald schon gar nicht mehr denkbar ist, ohne sie voranzukommen. Also praktisch der Tag, an dem BMW das erste Modell rausbringt, das den Knopf für spontanes “self driving” nicht mehr enthält…
Und rational – für die Diskussion um Regulierung von Algorithmen und Datenschutz im Zeitalter von Big-Data hätte es auch gravierende Konsequenzen wenn man tatsächlich von einem “neuen Spiel” sprechen müsste und nicht von einer graduellen Anpassung der Spielregeln.
Ich bin allerdings nicht sicher – schon alleine weil dieses Narrativ von einigen Playern auf dem Spielfeld zu sehr gewollt daherkommt. Und auch weil es deutliche Anzeichnen für negative Seiteneffekte der Digitalisierung jetzt schon gibt. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob es nicht gruseliger wäre, dieser Konsequenz der Digitalisierung mit einer Ignoranz gegenüber dem Ausmaß der tatsächlichen Effekte zu begegnen.

*ein Kommentar dazu war übrigens “wusste gar nicht, dass es dieses Material überhaupt gab”. Gab es auch nicht, denn der verschickte Kurzfilm war von Google selbstgesteuert aus einer Reihe von normalen Fotos zusammengesetzt und mit Musik unterlegt worden…

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Oettinger verhöhnt die Opfer von Paris

November 28th, 2015 — 1:36pm

Die letzten Opfer sind vermutlich noch nichtmal zu Grabe getragen, und viele liegen noch in den Krankenhäusern, da entblödet sich der Digital-Kommmissar der EU nicht, mit folgendem Vorstoss an die Öffentlichkeit zu gehen: die Deutschen mögen Ihre Vorbehalte gegen Geheimdienste endlich ablegen und einer intensiveren Internet-Überwachung nicht mehr im Wege stehen.
Jetzt kann man lange über Internet-Überwachung, VDS usw. streiten, auch darüber, ob das Ablegen von Vorbehalten gegenüber den Geheimdiensten in Angesicht des laufenden NSU-Prozesses ein seriöser Vorschlag sein kann – aber darum geht es mir hier erstmal nicht.
Die Anschläge von Paris waren grauenhaft, und die Opfer haben mindestens Respekt verdient – dazu gehört auch, dass sich eine politische Instrumentalisierung eigentlich verbieten sollte (egal in welche Richtung).
Viele sahen in den Anschlägen Angriffe auf die westliche Lebensart, die Freiheit und Offenheit unserer Gesellschaft, das war die Logik in der Auswahl der Anschlagsziele.
Ich finde Oettingers Vorstoss aus zwei Gründen extrem respektlos gegenüber den Opfern: zum einen haben sie eine nüchterne und aufrichtige Analyse des Geschehens verdient, also vor allem der Frage “warum konnte das nicht verhindert werden?”. Und da gibt es ein paar ganz einfache Erkenntnisse – die Anschläge wurden mit einer SMS koordiniert (also nicht mit Verschlüsselung) und in einem Land geplant und durchgeführt, das die schärfsten Gesetze zur Überwachung und Einschränkung von bürgerlichen Freiheiten in Europa implementiert hat. Das alles hat also offenbar nicht geholfen, so einen Anschlag auch nur zu erahnen, bei dem mit Kalaschnikows bewaffnete Terroristen mehrere Stunden in der Pariser Innenstadt vor einer Konzerthallte in einem Kleinwagen auf Ihren Einsatz warten konnten, ohne irgendwie behelligt zu werden. Daraus jetzt die Forderung abzuleiten, wir bräuchten mehr Überwachung ist unfassbar respektlos und eine kalte Instrumentalisierung der Ereignisse für eigene Zwecke (hat die Netzneutralität eigentlich auch irgendwie eine hinderliche Rolle gespielt?).
Zum anderen sollten wir uns alle klarmachen – das war ein Angriff auf unsere Freiheit, unsere Art zu Leben. Was ist da von einem Vorschlag zur Einschränkung eben dieser Freiheit qua neuer Überwachungsgesetze zu halten? Das ist nicht mehr nur respektlos, ich finde damit verhöhnt man die Opfer dieser Anschläge regelrecht, und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass mit solchen Vorschlägen die Agenda der Terroristen nur verlängert wird, anstatt ihnen etwas entgegenzusetzen.
Respektvoll wäre es gewesen, ein Manifest der Freiheit zu verfassen – ganz so wie es der norwegische Ministerpräsident Stoltenberg nach den Anschlägen von Utøya demonstriert hat. Dazu ist Oettinger vielleicht nicht in der Lage – aber die Anschläge so dummdreist umzufunktionieren zu einer Agenda für mehr Überwachung ist schlicht ekelhaft.
Oder, noch viel besser gesagt, einfach Jacob Appelbaum anhören:
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Am liebsten würden sie die Smartphones verbrennen

October 26th, 2015 — 10:49pm

Ich beschäftige mich ja schon seit längerem mit der Frage, wie SchülerInnen mehr digitale Fertigkeiten und Kenntnisse an den Schulen vermittelt werden können. Denn es schaut ziemlich düster aus, wenn man an deutsche Schulen geht und sich danach mal umsieht (oder gar eigene Kinder im schulfähigen Alter hat). Selten funktionierendes WLAN, häufig noch nichtmal für die Lehrer, und wenn dann meist stiefmütterlich gepflegt und notorisch instabil. Handyverbote allerorten, Informatik-AGs, die nicht zustande kommen oder als minderwertige Word/Excel-Kurse abgehalten werden, Ausstattung, die einem die Tränen in die Augen treibt.
Auch wenn man von aussen draufschaut, sieht es nicht freundlicher aus – in nahezu jeder Kategorie, die dafür relevant ist (z.B. Nutzung digitaler Hilfsmittel durch LehrerInnen, Verfügbarkeit digitaler Lehrmittel (oder gar OER Materialien), Präsenz von digitalen Lehrinhalten in den Lehrplänen, der Lehrerausbildung usw.) liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen. Zwar regt sich in den letzten 1-2 Jahren so langsam etwas, allerdings ist das noch weit von dem entfernt, was nötig wäre – zudem hängen uns Nachbarländer längst mit viel entschlosseneren Initiativen ab (UK z.B. mit Einführung von Informatik-Unterricht verpflichtend ab 1. Klasse + Schul-Microcontroller MicroBit für alle Schüler landesweit).
Lange habe ich als Ursache vor allem das föderale Bildungs-System in Kombination mit einer gewissen Wohlstands-Trägkeit angesehen, aber so langsam komme ich zu einer ganz anderen Überzeugung.
Das erste mal wurde mir das klar, als mal wieder auf einem Elternabend in der Klasse meiner Tochter ein Handy-Verbot diskutiert wurde. Mein Werben für einen differenzierten und vor allem pädagogischen Umgang mit dem Thema anstelle eines Verbotes wurde weggefegt, und schliesslich beschloss die Elternvertretung zusammen mit der Lehrerschaft ein allumfassendes Handy-Verbot bis zu Oberstufe für die gesamte Schule inkl. Aussenflächen mit recht drastischen Sanktionen bei Verstössen.
Da dachte ich zum ersten mal: was ist das eigentlich für eine starke negative Energie und Ablehnung? Haben die Eltern wirklich Sorge, dass Ihre Kinder vom Lernen zu sehr abgelenkt werden? Auf dem Schulhof? Als Begründung wird ja gern dann mit viel unterstützendem Kopfnicken gesagt, die Kids würden ja “nur noch vor diesen Dingern hängen”…(obwohl die Studien von Danah Boyd relativ klar belegen, dass Jugendliche sich über “die Dinger” vor allem vernetzen, ihre Identität ausprobieren, ausbauen und vor allem: ihr Leben leben…)
Ein zweites Indiz ergab sich, als ich für eine spezielle Unterrichts-Stunde zur Sonnenfinsternis in die Schule gerufen wurde, um das Streaming des Ereignisses zu ermöglichen (über Köln lagen Wolken) – da die Schule kein funktionierendes WiFi hatte, musste ich mit meinem MiFi und eigenem Rechner anrücken. Während dieser Spezial-Unterrichts-Stunde waren zwei LehrerInnen anwesend. Da zwischendurch immer auch ein wenig Unterricht gemacht wurde, tauchten zwei spezielle Fragen auf, die von beiden LehrerInnen nicht beantwortet werden konnten.
Frage 1: “Wie ist der Mond entstanden?” (zahlreiche teils abstruse Vorschläge seitens der SchülerInnen)
Frage 2: “Was heisst Sonnenfinsternis auf französisch?” (die Französisch-Lehrerin war anwensend)
Beides mal kurzes Ringen um eine Antwort seitens der Lehrerschaft, und dann die Frage: “kann das mal eben einer von Euch nachschauen?”. Damit war das HANDY gemeint (es war noch vor dem Verbot). Beide male konnte die korrekte Antwort in wenigen Sekunden ermittelt werden – schon darin war übrigens ein Stück Medien-Erziehung enthalten, das vermutlich mehr Relevanz für die Zukunft der SchülerInnen beinhaltete als die ganze Stunde über die Sonnen-Finsternis: nämlich, wie man Quellen beurteilt und im Internet gute Informationen findet (denn natürlich gibt es zur Mond-Enstehung auch ne Menge abstruse Erklärungen im Netz).
War aber vor allem wirklich schön zu sehen, wie offensichtlich der Nutzen von Smartphones für den Unterricht sein kann – und da sind wir noch nicht in Physik (Handy als Sensor für Experimente) oder Geschichte o.ä. angelangt, wo das Smartphone vll. noch viel fundamentaler didaktisches Element sein könnte.

Warum also das Verbot?

Ich glaube die wirkliche Antwort auf die Frage steckt letztlich auch in der obigen Szene, denn: es geht schlicht um Macht. Ein Handy in der Hand einer Schülerin verschiebt das im traditionellen Bildungs-System angelegte Machtverhältnis von LehrerIn zu SchülerIn auf dramatische Weise – und zwar nicht nur, weil der Lehrer sich damit nicht auskennt, nein – das Smartphone stellt letztlich das ganze auf Fakten-Wissen angelegte System in Frage, und das ist bei Licht betrachtet ein riesiger Teil des Bildungs-Systems, der noch nichtmal mit der Schule endet…
Damit könnte man den Widerstand der LehrerInnen ganz gut erklären – doch warum ist die Gegen-Front auch in der Elternschaft so stark? Da kommt meiner Ansicht nach noch ein weiterer Aspekt ins Spiel, der noch tiefer geht. Die Menschen spüren, dass wir am Rande einer kaum mehr aufzuhaltenden Revolution stehen, die alle Gesellschaftsbereiche betreffen, und kaum einen Stein auf dem anderen lassen wird. Viele Berufsbilder werden verschwinden oder komplett umdefiniert werden, die bisher sichere Machtoptionen darstellen, wie z.b. Rechtsanwalt, Mediziner, Professor, Architekt, Ingenieur usw. – aber auch Insititutionen, das politische System und selbst so banale Dinge wie das Taxigewerbe sind plötzlich vom Aussterben bedroht. Die digitale Revolution wird selbst nach Meinung gemässigter Experten rückblickend vermutlich ähnliche Ausmasse entfaltet haben, wie seinerzeit der Buchdruck oder die Industrialisierung. Damit ist aber auch klar, dass viele alte Machtpositionen in Gefahr sind, vielleicht so viele, wie schon seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten nicht mehr. Eigentlich muss man sich fast wundern, dass der Widerstand gegen alles Digitale nicht noch viel fundamentaler ausfällt – jedenfalls habe ich immer mehr den Eindruck, dass wir beim Versuch digitale Inhalte an die Schulen zu bringen de facto mit agressivem Widerstand zu rechnen haben (der natürlich pädagogisch motiviert daherkommt) und nicht nur mit Trägkeit und Innovationsbremserei. Und das verändert natürlich die Lage ganz erheblich…

— Update —-
Einige LeserInnen haben im Text oben “Lehrer-Bashing” gelesen. Nichts könnte mir ferner liegen – ich finde selbst die angeführten Unterrichtsbeispiele eher Fälle von geschickter Integration von Digital-Medien. Der Text richtet sich ja vielmehr gegen die Eltern, von denen so viel mehr Ablehnung ausgeht. Dass ich viel davon halte, mit engagierten LehrerInnen zusammenzuarbeiten und nicht nur zu lamentieren kann man verschiedentlich in meinem Blog nachlesen (Elektro-Basteln mit Grundschul-Kindern und meine Meinung zu moderner Pädagogik an einer Inklusions-Schule etc.). Auch das von mir mit-initiierte Projekt des Beirates junge digitale Wirtschaft für ein Fach Digital-Kunde aber der 1.Klasse lebt davon dass Pilot-Projekte mit diversen Schulen durchgeführt und die Erfahrungen gesammelt werden.

40 comments » | Netzpolitik, Politik

Daten essen Seele auf

October 9th, 2015 — 10:17pm

Vor einiger Zeit habe ich aufgehört mein Jogging zu tracken. Es war mir zuwider geworden – und zwar nicht nur das ‘auf Facebook posten’, sondern auch einfach das Tracken an sich. Weil es etwas mit einem macht, mit dem Erlebnis des Laufens in dem Fall. Man läuft anders, beobachteter, kompetitiver, mit mehr Normgewalt im Nacken. So war zumindest mein Gefühl. Als ich den Tracker ausstellte, fühlte es sich natürlich erstmal seltsam an, fast wie ein verschwendeter, kaum realer Lauf. Aber es war eben auch anders, mehr bei mir, unzerteilter, analoger*.
Ich komme deshalb darauf, weil ich heute nochmal Bruce Sterlings düsteren Essay zum Internet of Things las, und wie es seiner Meinung nach unseren Alltag unter die Gewalt der Tracking-Konzerne bringen wird. Sterling beschreibt den Einzug von Devices, die mit dem Internet verbunden sind als Einzug einer Überwachungs-Infrastruktur, die vor allem darauf abzielt die Ownership über Dinge zu übernehmen, die bisher uns gehörten – wie zum Beispiel unser Haus, unser Kühlschrank, unser Badezimmerspiegel.
Und es ist ja nicht ganz von der Hand zu weisen, dass Google z.B. mit dem Kauf von Nest darauf abzielt, die Datenhoheit in den Wohnzimmern zu erlangen. So wirbt der Nest-Thermostat z.B. mit einem Auto-Away Modus, der permanent trackt, ob jemand zuhause ist um dann ggf. die Heizung runterzuregeln. Tolles Feature. Aber auch zweifellos tolle Überwachung.
Auch an anderer Stelle in diesem Blog habe ich mich schonmal damit beschäftigt, ob Daten allein schon durch ihre Existenz/Erhebung einen bestimmten Effekt haben können, z.B. einen der auf Ent-Solidarisierung zielt (auch z.B. durch unmerkliche Aushebelung des öffentlichen Raums und des Streikrechts). Der Soziologie-Professor Selke hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, wie mit Quantified Self und Body-Trackern eine neue Art der sozialen Stigmatisierung geschaffen wird…
Auf der anderen Seite bin ich bekennender Daten-Afficionado und glaube tatsächlich an viele positive Effekte davon und die Innovationskraft aus datengetriebenen Geschäftsmodellen. Und mal ehrlich, ich finde es auch einfach geil, wenn Sachen plötzlich ein Logfile schreiben, die vorher nur blöd herumstanden, wie z.B. mein Vorgarten (Feuchtigkeits-Sensor) oder die Türklingel, und natürlich die Heizung.
Aber ist das nur Selbst-Verblendung? Haben Daten eine Zerstörungsdynamik, die notwendigerweise zu Kontrolle, Aufgabe von Solidarität und Vereinzelung führt? Ist Tracking grundsätzlich gleichzusetzen mit Beobachtung und damit Fremdbestimmung und Eingriff? Ist keine rhetorische Fragensammlung, bin mir da wirklich nicht sicher.
Dennoch glaube ich: wir müssen zumindest versuchen an Modellen zu arbeiten, wie freundliche, solidarische, demokratische und allgemein gute Gesellschaften funktionieren können bei ständiger Daten-Erhebung. Vielleicht durch punktuelle Einschränkung der Datensammlung, ein Recht auf Nicht-Erscheinen, analog sein und Verdunkelung – warum nicht? Oder durch Nicht-Zugriffsrechte für bestimmte Entitäten wie z.B. Krankenversicherungen, Arbeitgeber usw.
Schöner fände ich es aber noch, wenn wir Modelle fänden, die Solidarität in Daten modellieren und auf einen neuen Level bringen, also nicht als Abwehrkampf, sondern als Nutzung der positiven disruptiven Kräfte die der Digitalisierung innewohnen. Wer je auf twitter Freundschaften geschlossen hat, weiss was ich meine, aber es gibt auch zahllose andere Beispiele dafür, dass Digitalisierung neue Solidarität stiften kann, mehr Offenheit und neue Formen der Kontrolle _von unten_. Daran muss noch mehr gearbeitet werden.
Was mich aber noch beschäftigt bei meinem persönlichen getracked-werden: ich habe das Gefühl, dass es durchaus technische Determinanten des Unwohlseins mit dem Tracking gibt, und zwar: Mein Laufen habe ich derzeit mit Runtastic getracked. Wurde nach Abschluss eines Laufes hochgeladen und man konnte per Kontrollkästchen entscheiden, ob es auf Facebook geshared werden soll, oder nicht. Ich fand das unangenehm, allein schon durch das nackte Tracken.
Auf der anderen Seite habe ich mein ganzes Haus verwanzt, jeder Heizungsthermostat schreibt Logfiles, viele Lichtschalter ebenso, die Fussbodenheizung, die Jalousien, die Hasenstallheizung usw. – da werden Tonnen von Daten generiert, und können jederzeit ausgewertet werden. Und das sind ziemlich nahe und private Daten, man sieht wann jemand badet, wann es in welchem Raum wärmer wurde usw. – komischerweise stört mich das überhaupt nicht, kein bisschen. Obwohl es ja auch mein analoges trautes Privaträumchen digital zerteilt und analysierbar macht und in Big-Data verwandelt. Aber: es wird nirgends hochgeladen, sondern müllt nur eine kleine SD-Karte auf dem Raspberry im Keller zu.
Ist es das? Die Cloud? Der potentielle Zugriff durch Fremde?
Falls ja – was würde sich ändern, wenn die Daten verschlüsselt wären und nur durch meine explizite Zustimmung von dritten analysiert werden dürften? Was wenn es meine eigene Cloud wäre? Oder was, wenn es Open-Data wäre?
Ist es wirklich so, dass die Gestaltung von Daten-Ownership und das Spielen mit den Kontrollhebeln für Transparenz und Kontrolle darüber entscheiden, ob ich die Privat-Digitalisierung creepy oder nützich (oder auch ‘egal’) empfinde?

—— Nachtrag —-
Meine Frau sitzt gerade im Krankenhaus mit Verdacht auf Lungenentzündung. War mit Baby bei Ihr, damit sie stillen konnte. Krankenhäuser sind furchtbare Orte der Heteronomie, der ganze Ablauf ist irgendwie auf Entzug von Autonomie und “Maul halten und warten” ausgelegt, sinnlos irgendwo rumsitzen, warten auf Leute die nicht kommen, undurchschaubare Prozesse und generell natürlich nach Innen ein Machtapparat wie sonst nur im Mittelalter zu finden (sprecht mal mit Leuten, die dort arbeiten). However – sie hat aber natürlich ihr Smartphone dabei. Damit ist sie mit unseren Freunden auf Mallorca in Verbindung während der Untersuchung (von da sind wir wegen der Krankheit gerade abgereist), mit ihrer Mutter, mit mir, mit Freunden auf twitter und whatsapp, zusätzlich besorge ich ihr immer wieder auf Zuruf Hintergrund-Infos zu Sachen die die Ärzte gesagt haben oder was sie auch nicht beantworten konnten (z.B. Röntgen in der Stillzeit). Wenn mir nochmal jemand erzählen will, dass wir immer nur auf “diese Dinger” starren, weil Konzerne uns abhängig machen wollen und weil wir das richtige Leben nicht aushalten oder so – das “richtige Leben” für meine Frau in dieser Situation wäre dröge rumhängen und ausgeliefert sein, ausserdem Einsamkeit. Mit Handy kann sie selbstbestimmt agieren mit ihren Liebsten Menschen virtuell um sie versammelt, sei es auch nur als aufmunternde Mention auf twitter. Ich würde gerne verstehen, wie man solche Effekte der Digitalisierung stärken kann und schädigende eingrenzen, darum ging es eigentlich oben…

—— Nachtrag Ende —-

*lese übrigens deswegen auch nicht mehr mit dem kindle seit längerem. Zu viel Beobachtung.

5 comments » | IoT, Netzpolitik

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