Das Samsung Galaxy ist toll. Android ist toll.

Ich hatte relativ lange ein iPhone 3G und fand es ziemlich gut – na ja, nach einigen Anfangsschmerzen zugegebenermassen.

Dann bin ich vor einigen Wochen auf das Samsung Galaxy umgestiegen – eine bewusste Entscheidung gegen das iPhone IV. Obwohl ich wusste, dass es ein grossartiges Teil werden würde. Und mich darin heute jedesmal bestätigt sehe, wenn irgendwer eines auf den Tisch legt (was ja ständig passiert. Wann hat zuletzt jemand ein Nokia auf den Tisch gelegt?).

Aber zurück zum Samsung Galaxy S und Android. Mir war völlig klar, dass das kein gutes Telephon sein würde – die Frage war im Prinzip nur wie unerträglich die Usability und wie billig die Hardware sein würde und ob man es doch irgendwie würde ertragen können.

Nun. Die Hardware ist…billig ist nicht ganz richtig. Klar, Gehäuse aus Plastik aber das kann man mögen. Ist leichter und dünner als das iPhone. Ebenfalls exzellentes Display mit hoher Auflösung. Wechselbarer Akku, SD-Slot.

Aber jetzt mal zur Android-Erfahrung und so. Das ist schon ein Hammer. Also was für ein heilloser crap das alles ist im Vergleich zum iPhone. Da gibts wirklich nichts zu beschönigen. Inkonsistente Menüs, zuviele Optionen die sich teilweise widersprechen, hakelige Bedienung, Unzuverlässigkeit allerorten. Aber auch: schöne Details, irgendwie so ungeschliffen rohdiamanten-mässig. Also z.B. der slider von oben mit Meldungen (neue tweets, emails, Benachrichtigungen etc) ist cool. Das Feeling beim Rumwischen ist cool. Es gibt einen beeindruckenden twitter-client (twicca) (Danke @moellus und @kommandomutti für die Empfehlung). Foto-Abteilung, Telefonieren, Kontakte alles sehr iPhone-like. Internet/Browser völlig ok wenn auch bisschen buggy.

Womit wir beim Punkt wären – aber buggy trifft es eigentlich nicht. Ja, es hat Bugs. Vor zwei Tagen z.B. habe ich einen neuen Rekord aufgestellt, indem ich nur 20 Minuten vom Aufwachen in Panik bis in den Zug gebraucht habe, inkl. Duschen (habe beim Kunden im Termin festgestellt, dass mein Kragen noch komplett unter dem Pulli eingeklemmt war und es mit einer tourette-artigen Handbewegung korrigiert). Das Android hatte sich über Nacht aufgehängt. Es hängt sich überhaupt häufiger mal auf – die Tatsache, dass man den Akku tauschen kann habe ich so wirklich schon schätzen gelernt. Und frage mich dabei – weil ich das auch von meinem Blackberry kannte und von den Sonys und Nokias eh: Wie schaffen es die Apple-guys ihr verdammtes ebenfalls Unix-basiertes mit tausenden Fremdapps vollgestopftes Teil so hackensicher zu machen, dass es ohne Akku rausreissen auskommt. Mann Mann Mann.

Aber wie gesagt, buggy ist das falsche Wort. Android ist inkonsistent, unzuverlässig und vielfach leicht verpeilt in der Bedienung. Es vergisst Sachen, z.B. verschwindet alle paar Tage mal ein Symbol vom Startbildschirm. Manchmal finde ich es auf einem der “hinteren” Bildschirme wieder und kann es zurückholen. Manchmal ist es ganz weg. Es verschwinden auch ganze apps im Nirvana. Selten, kommt aber vor. Der Email-Account auf meinem Galaxy trägt derzeit die Versionsnummer 13 weil ich ihn schon so oft neu einrichten musste – das Android hatte ihn vergessen. Kann ja mal vorkommen. Der Akku hält mal überraschend lang (z.B. 56% nach einem vollen Arbeitstag abends um 20 Uhr), mal macht er schon am frühen Nachmittag schlapp.

Mit dem Android-Phone als alleinigem Telephon so durch den Business-Alltag hat jedenfalls etwas von einer Safari oder als würde man plötzlich eine griechische Reederei geerbt haben und jetzt weiterführen müssen.

Manche Sachen sind übrigens auch traumhaft schön. Z.B. wie man mit zwei “Klicks” das Teil in einen völlig unproblematisch funktionierenden WiFi Hotspot verwandeln kann. Wow. Oder Swype – die wirklich revolutionäre und hocheffiziente Texteingabe-Alternative (allerdings nur im Galaxy). Oder die app “wheres my droid”, der man eine SMS schicken kann von einem anderen Telephon und dann klingelt das Galaxy wie bescheuert, selbst wenn es stumm geschaltet war. Oder das Pendant für GPS, das einem den Standort des Phones zumailt auf Kommando, ganz ohne kostenpflichtigen Account usw. (GPS funktioniert übrigens fast gar nicht, ach egal)

Es ist wild. Das ist es. Und irgendwie süss verpeilt. Und aber auch voller Potential. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was bei der Innovationsgeschwindigkeit aus dem Android noch werden kann. Es kann aber natürlich auch sein, dass es mit Karacho vor die Wand fährt. Weil z.B. jetzt schon 85 verschiedene Android Versionen mit 42 verschiedenen Auflösungen draussen sind. Weil der völlig unregulierte Zugang der Entwickler zum Appstore einfach viel Schrott und Chaos produziert. Weil weil weil.

Glaube ich aber nicht.

Vor allem aber ist es so. Ich fühle mich freier mit dem Ding. Keiner macht sich zu viele Gedanken wie ich am besten jenes Programm und diese Funktion bedienen sollte und was gut und was schlecht für mich ist und deswegen ausgeblendet wird. Lieber.

Ich habe z.B. auch eine Fülle von Möglichkeiten zur Arbeit zu fahren. Ich kann das Fahrrad nehmen. Die Tram. Die S-Bahn. Eine Kombination aus beiden. Das Auto. Zu Fuss laufen (schon gemacht). Joggen (bald). Ich könnte sogar mit dem Kettcar hinfahren. Würde niemanden stören. Manchmal fahre ich mit dem Fahrrad und ärgere mich weil ich lieber die Bahn genommen hätte. Meistens wenn ich das Auto nehme ärgere ich mich nach 3 Minuten darüber. In der Tram treffe ich meistens twitterer oder Kollegen. Wahrscheinlich wäre mein Leben auf den ersten Blick leichter und effizienter, wenn einer sich überlegte, was wohl der eleganteste und konfliktfreiste Weg für mich zur Arbeit wäre. Und alle anderen einfach wegmachen würde, der Einfachheit und Klarheit halber.

Ich würd es aber hassen.

Category: Netzpolitik, Produkte und Konsum | Tags: , , 8 comments »


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