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Why is it so hard to be good?

October 9th, 2014 — 11:57am

Letzte Woche auf den DataDays kam mehrfach die Frage auf, wie man mit Data-Science, Internet of Things, Algorithmen usw. vielleicht auch mal was Gutes tun könnte, also etwas, das Menschen wirklich hilft oder die Gesellschaft nach vorne bringt, anstelle von Dystopie-Annäherungen und Geschäft? Klaas Bollhöfer brachte es auf den Punkt, und es gab sogar kurz selbstkritischen Applaus: Perhaps because we don’t care at all? Jeder hat eigentlich nur Geschäftsinteresse und verbrämt das vielleicht hier und dort mit darübergestülpten sozialen Motiven?
Vielleicht. Aber ich bin mir nicht so sicher, vor allem aber will ich es natürlich nicht glauben.
Was mich aber über diese Motivationsfrage hinaus beschäftigt, ist die Frage, warum es so schwierig ist, wenigstens anteilig Gutes zu Schaffen mit den neuen Technologien, dem Internet und all dem.
Warum fällt es uns so leicht Tracking für Werbekunden aufzusetzen, und so schwer Angst und Hate-Speech zu tracken und darum Unterstützungsnetzwerke aufzubauen (ich beziehe mich dabei auf die Aussage von Richard Rogers, als er gefragt wurde, was er sich am meisten wünschen würde als Fortsetzung von Bigdata – „i would want to see tracking of fear and hate-speech“)? Warum scheinen die Vernetzungs- und Partizipationsmöglichkeiten des Netzes so viel mehr den Hatern, Trollen und generell der Bösartigkeit zugutezukommen? Warum schützt Anonymität so viel häufiger die Stalker als die Verfolgten? Warum kommt bei dem Versuch neue politische Versuche mithilfe des Netzes zu unternehmen, die Piratenpartei heraus? Warum sieht es so aus, als sei das Online-Geschäftsmodell für Journalismus gefunden, und es heisst heftig.co? Warum könnte das Netz neuartige Weisen des Zusammenarbeitens ermöglichen und heraus kommt Rocket Internet und Microsoft? Warum kommen bei Innovationen im Netz meistens Dinge raus, wo einem schnell bösartige Anwendungen einfallen, aber nur mit Mühe gutartige? (funktioniert insbs. bei jeder Art von Big-Data Anwendung und Analyse mit hoher Treffsicherheit)
Ein bisschen hat es tatsächlich mit Geld zu tun, ok – das kann ich sogar persönlich bestätigen. Ich habe mich mit Algorithmen bei der Fraunhofer Gesellschaft beschäftigt, die designed waren, um Museumsbesuchern neue Exponate näher zu bringen, die sie interessieren könnten. Dann haben wir versucht, den Algorithmus auf Content-Empfehlungen anzupassen, durchaus noch mit dem Ziel Online-Journalismus spannend zu machen, und den Nutzwert von Seiten zu erhöhen. Schliesslich habe ich nugg.ad gegründet, weil die einzige Art mit solchen Verfahren Geld zu verdienen, de facto die Werbeindustrie war (ist?).
Aber ist das schon die ganze Antwort? Erklärt das all die anderen Hassphänomene und dystopischen Elemente? Irgendwie nicht, oder?
Wir haben mit dem Internet, und jetzt nochmal mehr mit BigData, Algorithmen und der weltweiten Vernetzung von Arbeit und Menschen geschichtlich ziemlich einmalige Möglichkeiten in der Hand, Veränderungen herbeizuführen und Machtverhältnisse in Frage zu stellen. Und es passiert ja auch – wenn heute in der U-bahn 9 von 10 Leuten in ein Smartphone starren, dann ist das ein physischer Ausdruck einer Machtverschiebung, aber auch ein unglaubliches Potential darin die Leute zu erreichen, zu beteiligen und zu vernetzen. Was ja auch funktioniert – bestimmt die Hälfte meines Freundeskreises ist heute ohne online nicht mehr denkbar.
Aber warum haben wir noch nicht eindrucksvoller bewiesen, dass das alles zu einer guten Entwicklung beitragen kann? Warum gibt es keinen Notknopf für Opfer von Übergriffen, der alle Smartphones in der Umgebung blinken lässt, und eine Selbstverpflichtung dann auch zu helfen? Warum gelingt es uns nicht häufiger, Bigdata-Analysen zu verwenden um Ungerechtigkeit aufzudecken und anzuprangern oder Hass-Netzwerke zu visualisieren (wie vor wenigen Tagen in einem Artikel bei zeit.online zum Beispiel)? Warum zieht das Internet mehr Hass als Liebe an?
Und noch konkreter – könnt ihr mir helfen mit Ideen, wie das Internet of Things diese Wende hin zum Guten schaffen könnte? Fallen Euch „Things“ ein, die Frontex das Leben schwermachen würden? Oder kleine Devices, die SchülerInnen zu mehr Empathie und weniger Bullying und Ausgrenzung anregen? Anwendungen die Obdachlosen den Zugang zu Leergut erleichtern?
Beeindruckt hat mich auf den Data-Days die USB-Ladebank von Nan Zhao vom MIT. Ihre Idee ist nicht nur eine Lademöglichkeit zu schaffen mit Solarstrom, sondern eine Art Treffpunkt mit Schnittstelle von der physischen in die digitale Welt. Irgendwie nicht revolutionär, aber immerhin schonmal ein bisschen gut, oder?

— Update —
Ein wichtiges Beispiel hatte ich noch vergessen, das mir in dem Zusammenhang zu denken gibt (und auch gut zur Piratenpartei passt, aber auch zu diversen anderen Beispielen): Mail-Kommunikation. Ich bin ja auch schon ein paar Jahre im Geschäft in diversen Digital-Firmen, und wenn eines sich als konsistent gezeigt hat, dann ist es das: Email funktioniert nicht, wenn es um kritische Kommunikation geht, also um mehr als bloss Fakten-Sharing. Sobald Emotionen beteiligt sind (also fast immer), neigt das Medium Email dazu die Kommunikation kaputt zu machen, Missverständnisse hochschiessen zu lassen und Verletzungen sind fast immer der Fall, selbst wenn man sich des Problems bewusst ist und sich Mühe gibt. Es funktioniert einfach nicht. Ich traue mich kaum den Schluss von dieser Erkenntnis (wenn es denn eine ist) auf die generelle Tauglichkeit des Netzes für gute Dinge zu ziehen, insbs. wenn Zwischenmenchliches und Vernetzung dabei eine Rolle spielt… Und ja, natürlich gibt es auch positive Beispiele. Aber ich finde Email ist schon überzeugend schlecht im Vergleich zu f2f Kommunikation oder sogar Telefon wenn es darum geht gut zu kommunizieren.

15 comments » | Netzpolitik, Politik

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