Elektro-Basteln mit Grundschulkindern: Erfahrungen, Anleitung und Material-Liste

Zusammen mit Pausanias und dem Direktor der Grundschule meiner kleinsten Tochter, haben wir jetzt schon zum zweiten Mal die Elektro-AG durchgeführt. Die Idee ist Kinder schon im Grundschulalter an Elektronik heranzuführen, und das dann sanft mit mehr “informatischen” Inhalten anzureichern, also z.B. einen Arduino dazuzunehmen, der z.B. mit Scratch programmiert werden kann (das wäre dann der “Aufbaukurs” für 3-4. Klasse).
Um dahinzukommen, habe ich unterschiedlichste Ideen getestet (z.B. leitende Tinte), viele neuere Ansätze auch von Kickstarter-Startups aus USA (so z.B. Chibitronics). Habe ich auf meinem englischen Blog dokumentiert.
Zum Glück habe ich auch alles mit dem Grundschuldirektor ausprobiert und vorbesprochen, denn wir sind zum Schluss gekommen, dass eine sehr einfache Variante die pädagogisch beste sein würde:
selbstklebendes und leitendes (auch der Klebstoff) Kupferband + ganz normale LEDs und andere Bastelkomponenten, z.B. Holz-Wäscheklammern, die man sowohl als Stromquelle (Knopfzelle wird eingeklemmt, Klammer mit Kupfer beklebt und zwei Kabel herausgeführt die dann an das Bastelwerk angehalten oder angeklebt werden können) als auch als Taster verwenden kann (einfach andere Seite der Klammer verwenden).
Der Vorteil dieses Materials sind nicht nur die deutlich geringeren Kosten und die besser Verfügbarkeit – es erleichtert es den Kindern auch sehr mit dem Strom zu beginnen, denn es ist ja ganz normales Basteln mit Klebeband, Schere usw. – überdies hatten wir den Eindruck, dass der Einstieg damit weniger “technisch” gerät (als wenn wir z.B. mit Kabeln oder gar Lötkolben operiert hätten) und damit auch für Mädchen nicht abschreckend ist. Jedenfalls hatten wir einen nahezu ausgeglichenen Anteil von Jungs und Mädchen über zwei Kurse (übrigens interessante Beobachtung: Mädchen und Jungen waren zwar im Kurs fast gleich verteilt, nicht aber in der Anmeldeliste. Der erste Kurs bestand tatsächlich zu 95% aus Jungen, der andere andersherum aus Mädchen. Offenbar sind Eltern von Mädchen zögerlicher in der Anmeldung, seltsam, oder?)

Im 3-stündigen Kurs (mit “Bewegungspause”) haben wir erstmal ganz kurz Grundlagen erläutert (mit simplen Schaubildern einer elektrischen Schaltung) und die Kinder mit einer Knopfzelle und einer LED erste Versuche machen lassen. Da stellen sich schnell Erfolgs-Erlebnisse ein, weil man die LED ja nur richtig herum an die Batterie dranhalten muss. Dabei lernt man aber auch schon “plus” und “minus” (bei der LED ist das längere Beinchen immer “plus”).
Dann haben wir drei Aufgaben vorgegeben, eine erste simple Schaltung, bei der die Leiterbahnen vorgezeichnet waren auf dem Arbeitsblatt (unten zum Download), und eine LED zum Leuchten gebracht werden sollte. Dabei lernen die Kinder den Umgang mit dem Kupfer-Klebeband und erste Wackelkontakte treten auf usw.
Zweite Aufgabe war dann eine Fantasie-Landschaft mit Strom. Hier sollte einfach irgendetwas gebastelt werden, wo die LEDs eine Funktion übernahmen, es wurden Raketen gebastelt, Ampeln, Krokodile mit Leuchtzähnen, Meeresbrausen mit Glitzer aus LED, Pferdeköpfe mit Leuchtaugen, Häuser, Türme usw. – die Kreativität der Kinder dabei war wirklich toll (wir hatten zusätzlich ein bisschen Bastelmaterial ausgelegt sowie ein paar Beispiele zur Anregung). Einige der Ergebnisse sind unten angehängt. Bei diesem Basteln traten natürlich auch diverse spannende elektrische Probleme auf, Leitungen die sich überkreuzten, mehrere LEDs in Reihe oder parallel schalten, Leiterbahnen auf der Rückseite verlegen oder überkleben und natürlich zig kleinere Probleme usw. die häufig auch mit Hilfe der Eltern gelöst wurden (es ist ratsam die Elternunterstützung einzufordern. Zum einen macht es den Eltern und Grosseltern offenbar auch viel Spass, zum anderen ist die Betreuungs-Situation dann viel entspannter).
Nach der Bewegungspause gab es eine kurze Präsentation der Zwischenergebnisse, und dann war die Aufgabe einen einfachen Morse-Apparat zu basteln. Auch hier haben wir nach den Erfahrungen des ersten Kurses im Material ein paar Hilfestellungen gegeben, weil die Schaltung nicht ganz einfach ist – vor allem muss man jetzt einen Taster aus der Klammer bauen, und richtig in die Schaltung einsetzen – da kamen teilweise die Eltern auch ins Schwitzen…
Insgesamt ein grosser Erfolg und viel Spass, und wir haben auch vom pädagogischen Leiter Lob für das Material bekommen. Anbei noch ein paar Impressionen von den Arbeitsergebnissen. Das Material kann gerne weiterverwendet werden und steht unter Creative Commons Lizenz wie unten angegeben.

Material-Download hier: Elektro-AG Arbeitsblatt

Einkaufsliste:



UPDATE: Grossartigerweise haben die Leute von Tinkersoup in Berlin das Kit in ihren Shop aufgenommen – kann also alles bequem über eine Adresse bestellt werden: Elektro-Bastel-Kit für Grundschul-Kinder


–> ich überlege, das evlt. mal als Package zum Verkauf anzubieten, lasst mich in den Kommentaren wissen, wenn Ihr das für sinnvoll halten würdet.

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Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Category: Schule 5 comments »

5 Responses to “Elektro-Basteln mit Grundschulkindern: Erfahrungen, Anleitung und Material-Liste”

  1. Nina Diercks

    Hallo Stephan,

    ja bitte! Und/oder vielleicht verraten was das Package für 20 Kinder und/oder pro Kind ca. kostet. Danke! :-)

    LG
    Nina

  2. Alex

    Hallo Stephan,
    ist eine tolle Idee. Auch die Ergänzung von Nina, das gleich in größeren Mengen anzubieten. Ist ja was für die Schule, aber auch mal für einen etwas anderen Kindergeburtstag geeignet.
    Liebe Grüße
    Alex

  3. Links, Kalenderwoche 12/2015 | Alles ist wahr.

    […] Der Stephan Noller hat da mal was vorbereitet. […]

  4. Falko

    Großartig! Ich glaube ich werde das bei uns in der Grundschule auch mal anbieten. Tinkersoup ist ja auch noch gleich um die Ecke bei uns :)

  5. Elektronikmit Kindern | Alles ist wahr.

    […] Ich musste schon grinsen, denn ich hatte mir schon die ganze Zeit überlegt, wie ich mich anbieten könnte. Denn Stephan Noller hat bereits ein Materialset zusammegestellt und über Erfahrungen berichtet. […]


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