Wieviel Blödheit steckt eigentlich in der Print-Krise?

Ich bin ja ein wirklicher Print-Fan und davon überzeugt, dass die Print-Krise einen erheblichen kulturellen und gesellschaftlichen Schaden verursachen könnte, den das Internet vielleicht nicht auffangen kann. Ein schönes Beispiel dafür ist die wöchentliche “Technik und Motor” Beilage der FAZ. Dort präsentiert sich seit Jahren ein buntes Sammelsurium aus Auto-Berichten, Computer-Besprechungen aber auch Tests zu Keramikmessern, Fritösen ohne Fett oder neuartigen Landmaschinen. Sozusagen ein Musterstück der Serendipity, denn häufig liest man Artikel zu wirklich abwegigen und verrückten Sachen aber nicht selten auch einfach exzellente Produktbesprechungen zum Nexus One zum Beispiel. Und das alles auf einem Qualitätslevel der in vieler Hinsicht (und erst recht in der Breite) unerreicht ist. Die Unabhängigkeit und Objektivität der Autoren ist nahezu über jeden Zweifel erhaben. Die Auseinandersetzung mit den Produkten ist leidenschaftlich und kritisch distanziert zugleich, manchmal sind die Beiträge auch noch wundervoll zu lesen (z.B. ein Bericht über die Yamaha Vmax, leider hinter der Bezahlschranke).

Aber jetzt zu der Blödheit.

Es liegt in der Natur der Sache, dass man die besprochenen Produkte nicht selten kaufen möchte oder zumindest die hervorragenden Artikel speichern und an Freunde weiterleiten möchte. Da würde man denken das  müsste doch ein einfaches und leicht umzusetzendes Zusatzgeschäft für die FAZ sein…

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, denn die liebe FAZ macht es nahezu unmöglich die TuM Artikel in der Weise zu nutzen. Es fängt schon damit an, dass die Artikel sich nur mit grösster Mühe auf dem Online-Portal finden lassen. Und die Online-Version des Artikels bräuchte man halt schon, zum einen wegen der Weiterleitung, zum anderen wegen Bestellmöglichkeiten und ausserdem liebe FAZ könntet Ihr nur so ein paar zusätzliche Umsätze abgreifen und sei es durch dumme Affiliate-Links!

Die TuM-Artikel lassen sich schonmal deshalb schlecht finden, weil es TuM auf dem Online-Portal nicht gibt! Kaum zu glauben, oder? Ist aber so. Es gibt “Autos & mehr”, “Computer & Technik” und darunter auch “Mehr Technik”. Wo, liebe FAZ-Kollegen, soll ich denn jetzt den Artikel über die Espresso-Maschine aus dem letzten TuM genau finden? Der Artikel ist übrigens auch über die Suche nicht aufzufinden.

Bei dieser Gemengelage überrascht es natürlich nicht, dass Artikel die man findet Bestell-Links usw. vermissen lassen.

Was bitte ist so schwer daran einen Print-Artikel online auffindbar zu machen? Wie wäre es mit einem Show-View Code im Print mit dem man den Artikel sofort findet? Oder wenigstens einer Entsprechung von Online und Print-Produkt?

Wenn nicht mal so einfache Hausaufgaben erledigt werden frage ich mich wie das klappen soll mit Ipad und so. Fühle mich aber auch als treuer Leser und Abonnent des Print-Produktes nicht ernstgenommen. Ganz abgesehen davon, dass ich es für eine beispiellose Verschwendung von Ressourcen halte wenn man hervorragenden Content bewusst nicht auffindbar macht. Irgendwie seltsam diese Print-Krise.

Category: FAZ & Co, Produkte und Konsum | Tags: , , , 2 comments »

2 Responses to “Wieviel Blödheit steckt eigentlich in der Print-Krise?”

  1. Sebastian

    Du hast so recht! Gerade bei den Artikeln aus Technik und Motor falle ich regelmäßig vom Glauben ab. Die einzig halbwegs greifbare Variante ist, über den Login an das Archiv zu kommen und dort den Artikel zu kopieren. Aber schon allein immer der Krampf das Artikel-Archiv, was nicht gleich dem FAZ-Archiv ist, zu finden! Und bestimmte Artikel aus der Printausgabe finden sich auch dort nicht. Die Onlineaufbereitung ist sowieso schlecht. Sie besteht in der reinen Kopie des Textes. Bilder: Fehlanzeige! Weiterführende Links: Fehlanzeige!
    Kurz: Mir ist die Verzahnung des Print-Ausgabe mit der Online-Ausgabe nicht klar. Außer, dass es sie gar nicht gibt.

  2. Jörg Neikes

    Die hybride Zeitung löst dieses Problem
    Mehr Info gerne 0151 2061 5300


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