Category: Produkte und Konsum


Muss das Baby wissen, wie man Kaffee macht?

January 24th, 2016 — 2:16pm

Heute morgen habe ich mit dem Baby auf dem Arm Kaffee gemacht. Sie ist jetzt 8 Monate alt, und ich hab ihr bei jedem Schritt erklärt, was ich da genau mache. Dabei dachte ich: werden wir je herausfinden, ob es was gebracht hat? Also ob man mit Kindern so früh schon sprechen und ihnen Sachen erklären sollte*?
Nun habe ich ja selbst Psychologie studiert, und kenne demnach die Instrumente, mit denen man solche Fragen wissenschaftlich zu beantworten versucht. Und ich muss auch sagen – die kognitive Entwicklung von (Klein-)Kindern gehörte zu den faszinierendsten Dingen, die ich in der Zeit gelernt habe. Nur – es ist ausserordentlich schwierig, da überhaupt zu validen Ergebnissen zu kommen, vieles wurde in Feldforschung (also nicht ausreichend standardisiert, um Effekte genau zuordnen zu können, zu geringe Fallzahlen) und in Einzelfallbeobachtungen erforscht, der berühmte Kinder-Psychologe Jean Piaget z.b. machte seine wichtigsten Erkenntnisse durch Beobachtung seiner eigenen Kinder.
Das ist ganz ok, aber aus forscherischer Perspektive weit von optimal entfernt. Idealerweise würde man nämlich viele Kinder in ihrer natürlichen Umgebung möglichst genau, möglichst lange (Jahre!), möglichst unbeeinflusst beobachten können – dann wäre evtl. sogar möglich zu beantworten, ob es was bringt mit Babys schon zu plaudern**. Gegen solche Untersuchungsdesigns gibt es viele Einwände, vor allem scheitern sie üblicherweise aus praktischen und ethischen Gründen.
Allerdings könnte sich das in den nächsten 20 Jahren drastisch ändern. Denn in einigen Jahren wird es relativ normal sein, dass ein Haus/eine Wohnung umfassend vernetzt ist. Sensoren in den Wänden, an diversen Maschinen, an unserer Kleidung werden permanent aufzeichnen was so passiert, und vermutlich wird uns irgendwas auch ständig beobachten und belauschen, um ggf. auf die “Fritzi, kannst Du mal bitte…” Frage anzuspringen, und mal eben neue Milch zu bestellen. Bruce Sterling hat dieses Szenario, wo der ganze Raum uns herum zum Interface wird übrigens in einem Vortrag zu Augmented Reality 2013 schon geschildert – und zwar anhand des Leap-Motion Controllers, der in einem bestimmten Bereich recht genau Bewegungen der Hand aufzeichnen kann – mit Microsoft Kinect kann heute bereits ein ganzer Raum in ähnlicher Weise permanent gescannt werden… Die Daten aus diesen Sensor-Arrays werden in einer Cloud von sehr effizienten Algorithmen analysiert – eine Ahnung vermitteln da vielleicht die aktuellen Verfahren, wie sie z.B. in Google Photos eingebaut sind, also Algorithmen (sog. deep learning Netze), die unterschiedlichste Muster in Bildmaterial erkennen, und zuordnen können. Diese intelligente Schicht wird mich dann also beobachten und aufzeichnen, dass ich mit meinem Kind geredet habe, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verstehen, was ich gesagt habe. Ausserdem wird sie verstehen, dass ich dabei vor einer Kaffeemaschine stand. So geht es weiter, und das System, nennen wir es mal “Google everywhere”, wird natürlich auch mitbekommen, wann mein Baby die erste Worte sagen wird usw.
Später dann wird es sich mit dem Daten-Hub der Grundschule vernetzen, und auch dort Lernleistungen überwachen und den Lehrern bei der Potential- und Lückenanalyse helfen und vermutlich auch individuelle Inhalte vorschlagen, oder direkt dem Kind anbieten. Übrigens ist auch diese Idee des hochindividuellen Lernen bereits heute in guten Schulen Realität, nur halt noch ohne Daten-Unterstützung.
Also – sobald dieses System hochgefahren ist, wird es tatsächlich möglich sein – zumindest korrelativ – den Einfluss von bestimmten Verhaltensweisen der Eltern auf die kognitive oder sonstige Entwicklung des Kindes zu ermitteln. Durch die hohen Fallzahlen und die ziemlich optimale Erhebungs-Situation (keine Versuchsleiter, kein Labor, keine nachgestellten Situationen etc.) wäre es dann vermutlich mit neueren statistischen Verfahren sogar möglich, recht verlässliche Kausalattributionen vorzunehmen, also wirklich zu sagen: es bringt was mit Babys zu reden. Vielleicht läuft bis dahin aber eh irgendsoein Roboter ganz selbstvertändlich im Haushalt mit, der immer auf Basis aktuellster Erkenntnisse aus der Daten-Cloud auf das Baby einplappert, auch ok.

*dass es für die Bindung und die emotionale Reifung etwas bringt ist klar, das ist auch schon ausreichend gut erforscht. Mir gehts hier vor allem um die sprachlich-kognitive Entwicklung
**streng genommen wären “experimentelle Settings” ideal, also zufällige Einteilung von Kindern in Treatment-Gruppen und mit der einen Gruppe wird geredet, mit der anderen nicht und eine dritte bekommt nur Unsinn erzählt. Das ist nur aus ethischen Gründen nicht durchführbar.

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Danke, Apple

January 12th, 2016 — 11:13pm

Meine 8-jährige Tochter ist jetzt Filmproduzentin. Genaugenommen dreht sie derzeit mit einer Freundin ihren zweiten Film, mit Storyboard, verschiedenen Szenen und Einstellungen, Sound-Untermalung, und es gibt auch einen Trailer dazu. Alles mit ihrem iPod, den es zu Weihnachten gab, ohne jegliche Unterstützung durch uns. Sie hat einfach iMovie runtergeladen, und es sich selbst beigebracht.
Drearbeiten
Mir ist klar, dass an Apples Ansatz der Kapselung von Computer-Funktionalität gerade im Bildungskontext einiges zu kritisieren ist – zu Recht. Aber es kann auch nicht geleugnet werden, wie unglaublich viel diese Firma dafür getan hat, dass Computer so viel zugänglicher geworden sind in den letzten 10 Jahren. Erinnert sich irgendwer noch, wie man früher Zusatzanwendungen auf Mobiltelefonen installieren konnte? (ja, das ging). Was es vor wenigen Jahren noch bedeutet hätte, einen Film zu produzieren, zu schneiden und mit Musik zu unterlegen? Und dann so zu konvertieren, dass andere es problemlos ansehen können? (ihren ersten Film durfte sie sogar in einer Sonder-Stunde in der Schule zeigen)
Oder die ganze Touch und Gestenbedienung – würden heute 9 von 10 Leuten in der U-Bahn in ihr Device starren, wenn es das nicht geben hätte? Ich glaube nicht. Nicht nur, weil es aus Usability-Gesichtspunkten innovativ war – ich glaube, die Touchbedienung hat die Geräte ‘magic’ gemacht, und erstmals eine lustvolle und selbst für blutige AnfängerInnen einleuchtende Bedienung eingeführt.
Und vielleicht ist es ja sogar nur der Anfang. Das Apple-Auto steht vor der Tür. Mit dem Internet of Things werden digitale Schnittstellen in immer mehr Alltagsbereichen zum Standard werden – vom Gesundheitssystem, über Bildung bis zur Steuerung von Heizung und Licht werden wir eine Neudefinition der Art und Weise erleben, wie wir mit unserer Umwelt interagieren. Und wer schonmal versucht hat das Steuergerät der Heizung umzuprogrammieren, oder den piependen Rauchmelder von der Decke zu schlagen, wird mir zustimmen, wenn ich diesem Wandel mit großer Freude entgegensehe – wohlwissend, dass es auch schwierige Schattenseiten haben wird am Ende.

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Braintime

June 20th, 2014 — 2:07pm

Ich wäre gerne 10kg leichter. Könnten auch 15 sein. Das wäre ich gerne seit ca. 20 Jahren, könnten auch 25 sein. Damals hatte ich mit dem Rauchen aufgehört und mir die zusätzlichen Kilos angefressen. Seitdem ist das ein beherrschendes Thema, wenn auch häufig nur so unterschwellig. Meine Grossmutter z.B. pflegte in ihren letzten Jahren grundsätzlich zu sagen, wenn sie mich sah „Du bisch aber dick gworde“. Übrigens unabhängig davon, ob das wirklich der Fall war – also wenn ich im Kopf errechnete wann ich sie zuletzt gesehen hatte, und welche Gewichtsdifferenz in dem Zeitraum zu verzeichnen war. Denn das wusste ich immer relativ genau – ein Subprozess im Hirn führte ständig Buch und kannte das ungefähre Gewicht 12 Monate zurück oder 2 Jahre oder zum Zeitpunkt des Abiturs oder des letzten Klassentreffens oder 4 Jahre zurück als ich meinen Ex-Chef zum letzten mal sah, als er auch statt erstmal ‚Hallo’ sagte ich sei ja ganz schön dick geworden. Meine Freunde beschäftigen sich auch viel mit dem Thema, das weiß ich, also dieser ganze „oh, er hat ja abgenommen, läuft er wieder?“ oder „oh, er hat ja wieder ganz schön zugelegt, läuft er nicht mehr?“ Komplex. Mir tun sie manchmal leid, weil sie ja auch komplett Buch führen müssen in ihren Köpfen für diese Betrachtungen.
Ich habe übrigens nicht viel Diät-Erfahrung, ist mir zu blöd. Aber natürlich habe ich – heimlich oft – zahllose Artikel und Studienergebnisse und „Fett vermeiden!“, „Kohlenhydrate vermeiden!!“, „neue Studien belegen: Kohlenhydrate sind gut!“ und „die Mittelmeer-Diät, warum Öl so wichtig ist“ Artikel in mich reingefressen und weiss also bei jedem Lebensmittel grob Bescheid, was es bedeutet und wie schwarz es meine Bilanz an diesem Tag mal wieder macht. Natürlich habe ich mich auch quantified, habe runtastische Aktivitäten gestartet und um Anfeuerung in sozialen Netzwerken gebeten, habe meine Wage ins Netz gehängt und lasse mich per App über den Verlauf informieren. Blutdruck habe ich auch, unnötig zu erwähnen, inkl. App übrigens.

Und dann – jetzt, zum Sommeranfang z.B. wenn man mit Angstschweiß an den Schrank geht um den Stapel unten mit den kurzen Hosen rauszuholen gibt es wieder diesen anderen Moment, nach tagelang aufgestautem Schuldgefühl, weil man ja bestimmt wieder fetter geworden ist (und die Wage gerade einfach mal meidet) – da passen einfach alle Hosen aus dem letzten Jahr noch. Hm? Und die Jeans die man für die Gartenarbeit anzieht, passt auch noch (ok, bisschen zwickig), aber die hat man vor 5 Jahren gekauft.

In diesen Momenten denke ich, was ein fuck! Was beschäftige ich mich eigentlich tagaus, tagein mit diesem total blödsinnigen Thema, nur um dann festzustellen, dass es eigentlich nur eine Sinuskurve mit 5kg rauf oder runter ist die ich halt mal mit maximalem Sport- und Essensterror runterdrücke oder eben mit Schuldgefühlen und Wagenvermeidungsterror hochlaufen lasse. Und wieviel Braintime bitte geht dafür drauf, mit Nachdenken über Essen oder nicht Essen, Schuldgefühlen, Apps ablesen, Freunde nicht besuchen weil sie einen zuletzt beim unteren Punkt in der Sinuskurve gesehen haben, dämliche Studien lesen usw. – das ist wirklich ein grandioses Hirn-Beschäftigungsprogramm. Nicht nur für mich – für all die anderen die immer schön mit-messen ja auch. Zumal man bei den anderen vermuten kann, dass ihre Aufmerksamkeit für das Thema auch nicht aus Sorge um meinen Zustand, sondern viel mehr aus eigener krankhafter Aufmerksamkeit für das Thema gespeist wird – die werden also bestimmt nicht nur meinen Zustand im Monitoring haben sondern ihren eigenen genauso und noch den von zig anderen Freunden, dem Partner, den Kindern. Auf das bloß alle nicht zu dick werden, GOTT BEHÜTE! Und was ist bitte eigentlich so weltbewegend toll daran 5kg weniger zu wiegen, was genau ist dann eigentlich besser, also in Syrien z.B., oder was die Verschmutzung der Meere anbelangt, oder in der Liebe – wieviel anders bläst der Wind in den Wipfeln wenn wir leichter sind als letzte Woche?

Wie wäre es wenn wir diese Braintime für andere Dinge einsetzten, also z.B. für mehr Gerechtigkeit, bessere Bedingungen für alleinerziehende Mütter, Abschaffung von Frontex, selbstbestimmteres Leben im Alter, Weltfrieden, autofreie Siedlungen, neue Energieversorgungskonzepte, Politik! Mit all der verschleuderten Braintime könnten wir vermutlich alle locker in eine Partei eintreten und mit links diverse Ortsversammlungen mitmachen und Papiere verfassen und dabei noch ein Instrument erlernen und Gedichte verfassen. Und dabei unbemerkt mal ein bisschen mehr und mal ein bisschen weniger wiegen.
Und wenn Freund aufeinandertreffen könnte man sagen – was, Du bist jetzt auch in eine Partei eingetreten, cool! Oder: Wow, Du hast viel über neue Konzepte in der Energieversorgung nachgedacht, das sieht man.

Anders gefragt – wenn man ein Programm aufsetzen wollte, um eine Gesellschaft möglichst kollektiv ruhigzustellen und mit Schuldgefühlen auszustatten und dabei am besten auch noch den Konsum anzukurbeln, was würde man wohl tun?

Ich hab es jedenfalls satt (sic!). Ich will nicht mehr darüber nachdenken und auch nicht mehr darauf angesprochen werden. Und wenn ich die freiwerdende Zeit mit der Betrachtung von Wolkenformationen beim Vorbeifahren an Bielefeld verbrächte, es wäre besser investiert.

Graue, tiefhängende Wolken mit hier und dort weißen Auftürmungen in Bodennähe. Irgendetwas scheint sich da oben zu spiegeln von der Landschaft, in dem in sich verwobenen dichten Wolkenteppich.

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Was war DDR

October 5th, 2013 — 11:09am

Jetzt wo der @moellus und der @maxheadroom so schön über #tdde gebloggt haben kommt man ja fast bisschen unter Druck. Eine West-Meinung muss her.
Wiedervereinigung, Mauerfall. Erfahren davon habe ich als ich grad Schicht hatte im Hospiz, draussen in Köln Chorweiler, in einem umfunktionierten Reihenhaus das immer arge Probleme machte weil sich die Särge nicht durch den engen Hausflur raustragen liessen (nur ohne Deckel). Stand also im Wohnzimmer mit der Kollegin die immer aufdringliche Beischlafangebote machte und wir sahen den Mauerfall im Fernsehen. Konnte es echt kaum glauben und war aber sehr bewegt. Stimmung beim Nachhausefahren bisschen wie bei einem anderen wichtigen Fernseh-Ereignis, also CL-Finale oder WM oder so. Heute ärgere ich mich total, dass ich nicht einfach nach Berlin gefahren bin.
Aber was bedeutete es für mich? Ich war ja ein kalter Krieg Kind, also aufgewachsen mit unfassbar grosser Angst vor dem Atomkrieg und mit der Vorstellung, dass sich das niee niee ändern wird, diese Block-Blockade entlang der deutschen Grenze mit all dem bizarren Beiwerk. Das man auch konkret kannte, weil z.B. fast jede Westklasse damals mindestens einmal Berlin besuchte inkl. Ost-Besichtigung auf eigene Faust. Wie ich mit meinem Freund Wolle UdL runterlief und wir versuchten unser Ostgeld in gute Bücher umzusetzen (und scheiterten). Aber wir hatten auch Verwandtschaft in Dankerode, kannte also als Kind nächtliche Szenen mit auseinandergenommenem Auto an der Grenze, herumtollen im Heu bei der Verwandtschaft und Fahrten mit dem Ernte-Motorrad mit Beiwagen. Und natürlich Westpakete. Wie wir uns gewundert haben warum Mutter die ekelhafte Aldi-Schokolade kaufte und ebensolchen Kaffee der sonst nie ins Haus gekommen wäre und uns weiter wunderten, dass diese Inhalte ‘drüben’ offenbar mit Begeisterung aufgenommen wurden.
Aber wie gesagt, alles wurde total überlagert von der Perestroijka-Begeisterung und der unbändigen Freude darüber, dass diese Mauer wirklich gefallen war, also weniger die in Berlin sondern mehr die zwischen Ostblock und Westblock, und dass es wahrscheinlich keinen grossen Krieg mehr geben würde. Das war wie ein überraschend weggenommenes Trauma.
Davon abgesehen war ich übrigens Lafontaine-Anhänger was die Beurteilung der Lage anging. Und zwar in dem Sinn, dass ein Anschluss hätte vermieden werden sollen und an der Stelle ein Zusammengehen auf Augenhöhe wünschenswert gewesen wäre. Mit neuer Verfassung. Mit dem besten aus beiden Welten. Das wäre doch was gewesen.
Aber wie auch immer, ich find es nach wie vor grossartig und einen politischen und geschichtlichen Traum den nicht viele erleben durften. Auch wenn es die bräsige West-Realität war, die am Ende über alles gezogen wurde, klar. Und auch wenn es Ängste vor neuem Grossdeutschland hochbrachte die die Kanzlerin aber abzuwehren weiß.

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Und am Ende fuhr ich mit meinem Gärtner-Chef im schrottreifen VW-Passat rüber um ein Schaf abzuholen. Wenige Wochen nach Mauer-Öffnung. Mit Panne wegen Kühler. Mit Wasser-Suche in den ganzen Wracks entlang der Autobahn bis ich feststellte, dass die Ost-Autos alle luftgekühlt waren. Mit Abschlepphilfe von verunsicherten Vopos. Und mit der Schar westlicher Geier, die als erste in das Land fielen und Autos verkauften und Versicherungspolicen.

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Das Samsung Galaxy ist toll. Android ist toll.

November 29th, 2010 — 10:57pm

Ich hatte relativ lange ein iPhone 3G und fand es ziemlich gut – na ja, nach einigen Anfangsschmerzen zugegebenermassen.

Dann bin ich vor einigen Wochen auf das Samsung Galaxy umgestiegen – eine bewusste Entscheidung gegen das iPhone IV. Obwohl ich wusste, dass es ein grossartiges Teil werden würde. Und mich darin heute jedesmal bestätigt sehe, wenn irgendwer eines auf den Tisch legt (was ja ständig passiert. Wann hat zuletzt jemand ein Nokia auf den Tisch gelegt?).

Aber zurück zum Samsung Galaxy S und Android. Mir war völlig klar, dass das kein gutes Telephon sein würde – die Frage war im Prinzip nur wie unerträglich die Usability und wie billig die Hardware sein würde und ob man es doch irgendwie würde ertragen können.

Nun. Die Hardware ist…billig ist nicht ganz richtig. Klar, Gehäuse aus Plastik aber das kann man mögen. Ist leichter und dünner als das iPhone. Ebenfalls exzellentes Display mit hoher Auflösung. Wechselbarer Akku, SD-Slot.

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Wieviel Blödheit steckt eigentlich in der Print-Krise?

April 18th, 2010 — 9:59am

Ich bin ja ein wirklicher Print-Fan und davon überzeugt, dass die Print-Krise einen erheblichen kulturellen und gesellschaftlichen Schaden verursachen könnte, den das Internet vielleicht nicht auffangen kann. Ein schönes Beispiel dafür ist die wöchentliche “Technik und Motor” Beilage der FAZ. Dort präsentiert sich seit Jahren ein buntes Sammelsurium aus Auto-Berichten, Computer-Besprechungen aber auch Tests zu Keramikmessern, Fritösen ohne Fett oder neuartigen Landmaschinen. Sozusagen ein Musterstück der Serendipity, denn häufig liest man Artikel zu wirklich abwegigen und verrückten Sachen aber nicht selten auch einfach exzellente Produktbesprechungen zum Nexus One zum Beispiel. Und das alles auf einem Qualitätslevel der in vieler Hinsicht (und erst recht in der Breite) unerreicht ist. Die Unabhängigkeit und Objektivität der Autoren ist nahezu über jeden Zweifel erhaben. Die Auseinandersetzung mit den Produkten ist leidenschaftlich und kritisch distanziert zugleich, manchmal sind die Beiträge auch noch wundervoll zu lesen (z.B. ein Bericht über die Yamaha Vmax, leider hinter der Bezahlschranke).

Aber jetzt zu der Blödheit.

Es liegt in der Natur der Sache, dass man die besprochenen Produkte nicht selten kaufen möchte oder zumindest die hervorragenden Artikel speichern und an Freunde weiterleiten möchte. Da würde man denken das  müsste doch ein einfaches und leicht umzusetzendes Zusatzgeschäft für die FAZ sein…

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, denn die liebe FAZ macht es nahezu unmöglich die TuM Artikel in der Weise zu nutzen. Es fängt schon damit an, dass die Artikel sich nur mit grösster Mühe auf dem Online-Portal finden lassen. Und die Online-Version des Artikels bräuchte man halt schon, zum einen wegen der Weiterleitung, zum anderen wegen Bestellmöglichkeiten und ausserdem liebe FAZ könntet Ihr nur so ein paar zusätzliche Umsätze abgreifen und sei es durch dumme Affiliate-Links!

Die TuM-Artikel lassen sich schonmal deshalb schlecht finden, weil es TuM auf dem Online-Portal nicht gibt! Kaum zu glauben, oder? Ist aber so. Es gibt “Autos & mehr”, “Computer & Technik” und darunter auch “Mehr Technik”. Wo, liebe FAZ-Kollegen, soll ich denn jetzt den Artikel über die Espresso-Maschine aus dem letzten TuM genau finden? Der Artikel ist übrigens auch über die Suche nicht aufzufinden.

Bei dieser Gemengelage überrascht es natürlich nicht, dass Artikel die man findet Bestell-Links usw. vermissen lassen.

Was bitte ist so schwer daran einen Print-Artikel online auffindbar zu machen? Wie wäre es mit einem Show-View Code im Print mit dem man den Artikel sofort findet? Oder wenigstens einer Entsprechung von Online und Print-Produkt?

Wenn nicht mal so einfache Hausaufgaben erledigt werden frage ich mich wie das klappen soll mit Ipad und so. Fühle mich aber auch als treuer Leser und Abonnent des Print-Produktes nicht ernstgenommen. Ganz abgesehen davon, dass ich es für eine beispiellose Verschwendung von Ressourcen halte wenn man hervorragenden Content bewusst nicht auffindbar macht. Irgendwie seltsam diese Print-Krise.

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Warum Facebook mein Herz langsam erobert

March 13th, 2010 — 9:57am

Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht mehr genau, warum ich FB am Anfang nicht gut fand. Wahrscheinlich irgendwas Deutsches oder so, keine Ahnung. Jedenfalls habe ich heute – anlässlich dieser sehr schönen Analyse “Facebook vs. StudiVZ” – nochmal darüber nachgedacht, und dabei festgestellt, dass Facebook sich Schritt für Schritt in mein Herz vorgearbeitet hat.

Inzwischen gehört es zum core-set meines digitalen Alltags, wird mehrfach geöffnet pro Tag, dient als Kommunikations- Entertainment und Distributionskanal usw. – das ist schon ein erstaunlicher Wandel. Und ganz klar ein Phänomen, das auf viele andere zutrifft. Zum einen stelle ich fest, dass gerade in den letzten Monaten unglaublich viele Geschäftspartner plötzlich da sind – die vorher nur auf Xing und Linkedin anzutreffen waren. Zum anderen weiss ich, dass sich meine Tochter – ehemals sozusagen permanent in SchülerVZ eingeloggt – inzwischen mehr auf FB aufhält als auf anderen Plattformen. Hinzu kommt noch mein Patenkind und meine Frau. Letztere ist auch so ein Phänomen, weil sie sehr datenschutz-sensibel ist und bisher überhaupt kein Social Network genutzt hat. Sie wurde von Freundinnen aufgefordert es zu nutzen. Bei dem kurzfristigen AGB-Debakel vor ein paar Monaten wollte sie direkt Ihren Account löschen – konnte sie grade noch abhalten.

Also offenbar eine breite, nachhaltige Entwicklung.

Es gibt natürlich zahlreiche Gründe dafür, die ich jetzt gar nicht alle herausfinden will. Ich will nur mal drei exemplarisch herausnehmen, die ich persönlich schön und gewissermassen wegweisend finde. Continue reading »

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Schirrmacher, das Ipad und die freie Welt

February 4th, 2010 — 10:07pm

Der gute Herr Schirrmacher hat sich ja nun auch länglich in seinem Blatt zum Ipad geäussert (“Die Politik des Ipad”) – und einer seiner Mitarbeiter hat nochmal nachgelegt (“Das Ipad ist nur eine Fernbedienung“). Ist ja dieser Tage auch irgendwie fast geboten Apple runterzuschreiben für seine dreiste Verfehlung und die unfassbare Knechtschaft die von diesem Konzern über uns ausgebracht wird.

Da wird also argumentiert, durch die apps und das restriktive Modell der Belieferung des Ipads über Itunes würde das Internet reglementiert und mit einer kommerziellen Zwangsherrschaft versehen. Ausserdem seien die Apps nur auf Konsum ausgelegt und überhaupt sei auch die Verhinderung von Flash letztlich der Versuch das freie Internet abzuschaffen.

Was mich dabei vor allem wundert, ist die Schwachbrüstigkeit dieser Argumentation, dieses Unvorbereitete, Dahingeworfene. Also etwas was ich von der faz so nicht direkt erwarten würde.

Denn ich halte die aufgestellten Thesen für ziemlichen Bullshit mit Verlaub. Klar ist die app-Kontrolle durch Apple restriktiv und so. Übrigens genauso wie die Buchlizenzpolicy beim Kindle, die Themenauswahl des Wirtschaftsteils der faz und das Vorabendprogramm des ZDF. Und im Vergleich zu den genannten ist die Vielfalt der Iphone-apps ein anarchistischer Zoo.

Aber was ich vor allem nicht nachvollziehen kann ist, warum das Ipad den User wieder zum passiven Medienkonsumenten mit Kreditkartenanschluss degradieren soll der das Gerät nur noch als Fernbedienung nutzen kann. Weil er seinen Content über eine App anstelle eines Browsers bezieht. Und weil das Ding kein Flash kann. Klar.

Ist denn einem der beiden Herren mal aufgefallen, dass einer der grossen Turbos hinter dem partizipativen Web das Iphone ist? Und apps darauf? Welcher Mechanismus bitte macht mich weniger interaktionsfreudig bloss weil ich ein Twittericon aufrufe das mit der Api kommuniziert vs. wenn ich das selbst in den Browser eingebe? Diese These ist doch völlig absurd – vermute da ist ein bisschen eifrige Frankfurter Schule Lektüre noch nicht verdaut.

Ist es nicht vielmehr genau andersherum? Das was mich beim Ipad am meisten fasziniert hat, sind die revolutionären Interaktionsmöglichkeiten bei der Steuerung von iwork. Die, wenn sie nur halbwegs so funktionieren wie in der Präsentation, für alle UX-Designer die Freudentränen in Strömen fliessen lassen werden. Ich glaube viele Leute kommen mit dieser Einfachheit nicht klar und müssen deshalb so eine Fernbedienungsmetapher bemühen. Der Clou ist aber, dass das Gerät evtl. tatsächlich so einfach ist wie eine Ferbedienung aber das Potential hat zu dem Interaktionsgerät im Haushalt schlechthin zu werden. Wohlgemerkt: Interaktionsgerät.

Eigentlich ist es mir ja egal wenn die beiden Autoren sich da ein bisschen verrennen. Aber was mich ärgert ist die Ignoranz die dahinter steckt, dieses fahrige Runterschreiben entlang einfacher Leitplanken anstatt sich auch nur einmal wirklich mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Und dann kommt das auch noch mit so einem kulturkritischen Weihrauch-Impetus daher von dem Schirrmacher immer, Mann Mann.

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Versicherungen ignorieren den Datenschutz

January 8th, 2008 — 10:53pm

Mit grosser Freude habe ich heute festgestellt dass die Versicherungsbranche und Ihre Praktikten in Sachen Datenschutz aktuell endlich mal wieder am Pranger stehen. Insbs. die Praxis in einer zentralen Datei Antragsdetails Versicherer-übergreifend zu speichern und und verfügbar zu machen steht zu recht im Kreuzfeuer und wurde von Thilo Weichert vom ULD gerügt (siehe heutigen heise-artikel dazu).

Ich habe persönlich erst kürzlich einen unglaublichen Fall von Datenmissbrauch mit der Europa-Versicherung erlebt, und zwar so:

Ich hatte für meine Familie eine Risiko-Lebensversicherung in nicht zu grosser Höhe für den Fall der Fälle abgeschlossen. Genaugenommen hatte die Versicherung meine Frau abgeschlossen, ich war nur die versicherte Person. Nun ergab es sich wenige Monate später, dass meine Firma ebenfalls eine Risiko-LV auf meine Person abschliessen wollte um sich für einen Ausfall abzusichern. Da mir die Europa eine gute und halbwegs preisgünstige Wahl zu sein schien haben wir den Antrag einfach wieder dort eingereicht. Wohlgemerkt, Antragsteller war nun die Firma, versicherte Person natürlich wieder ich. Diesmal gab ich korrekterweise bei den medizinischen Fragen einen zwischenzeitlich festgestellten Bluthochdruck an.

Was nun passierte ist wirklich unglaublich. Auf den Firmenantrag selbst kam zunächst mal gar keine Reaktion. Wer stattdessen kommentarlos Post erhielt (vor allem ohne jegliche Info an mich oder die Firma geschweige denn eine Art Einverständnis) war meine Frau. Die Versicherung bedankte sich für die Mitteilung der zusätzlichen medizinischen Details. Nett, oder? Kurz darauf kam noch ein Schreiben in dem meine Frau darauf hingewiesen wurde, dass aufgrund eines nachträglich festgestellten Bluthochdrucks die abgeschlossene Risiko-LV in der Form leider nicht aufrecht erhalten werden könnte. Meine Frau wurde vor die Wahl gestellt entweder einen deutlich höheren Beitrag zu zahlen oder die Kündigung hinzunehmen. Vorsorglich wurde die Kündigung auch direkt schon ausgesprochen.

Da wurden also ohne jegliche Einwilligung medizinische Details die ich im Rahmen des Firmenantrags abgegeben hatte an meine Frau weitergeleitet und daraufhin auch Ihr Vertrag gekündigt. Das ist doch mal ein solides Verhältnis zum Datenschutz, hm? Auf meine empörte Nachfrage hin kam ein flapsiges Schreiben zurück das den ganzen Vorgang als rechtmässig darzustellen versuchte. Nicht dass ich meiner Frau meinen Bluthochdruck verheimlichen wollte, darum geht es nicht (nur falls jetzt wieder die “wir haben doch nichts zu verheimlichen-Fraktion” um die Ecke gebogen kommt). Es hätte aber z.B. auch eine HIV Infektion sein können. Und beim nächsten mal wird vielleicht die Firma einfach mal über ein paar aktuelle news aus meiner Krankenakte informiert und zur Zahlung erhöhter Beiträge aufgefordert, hm?

Ganz abgesehen davon, dass der Umgang mit den Kunden in diesem Fall natürlich jeder Beschreibung spottet finde ich den Umgang mit vertraulichen Daten wirklich unter aller Sau. Da sind andere Datenschutzvergehen die derzeit in der Diskussion sind (z.B. studiVZ) wirklich absolut harmlos dagegen. Und es sprich alles dafür, dass der geschilderte Fall keine Ausnahme ist sondern eher die gängige Praxis der Versicherungen widerspiegelt. Wenn man jetzt noch überlegt welch vertrauliche Daten die von uns haben (man denke nur an private Krankenversicherungen z.B.) dann wird einem ganz schlecht. Ich würde mir wünschen, dass die Versicherungen für diese Praxis einen gehörigen Gegenwind erfahren, sowohl von Seiten der Verbraucher als auch von offizielleren Stellen.

Besonders perfide wird das Ganze übrigens wenn man bedenkt, dass der Staat immer mehr Leistungen wie z.B. die Berufsunfähigkeit faktisch an private Anbieter abgibt und wir insofern häufig nur die Wahl haben den Schutz entweder ganz zu verlieren oder uns den oben geschilderten Zuständen zu unterwerfen. Das ist wirklich ekelhaft.

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Milka und Barmer

December 3rd, 2007 — 7:54pm

Nur mal grad so rausgegriffen aus dem aktuellen Stream:

1. Milka: welcher Schwachkopf hat entschieden dass es dieses neue Milka-Papier geben soll? Diesen schwachen Rittersport-Abklatsch. Diese Plastik Verpackung. Kein Knistern mehr, kein Auspacken. Wird nur noch ordinär aufgerissen. Wisst Ihr eigentlich wie sehr zum Milka-Erlebnis die Verpackung gehörte, insbs. dieses wunderbare Alu-Papier? Mann mann…

2. Barmer: Ihr schickt mir heute einen Adventskalender als Weihnachtsgruss. Natürlich einen aus Papier, also “ohne was drin” wie man früher zu sagen pflegte (als man noch die Kalender von hinten ausgeräumt und sich am nächsten morgen verwundert gezeigt hat warum das Ding total leer verkauft wurde). Dafür enthält jedes Türchen einen Tipp für eine gesunde Adventszeit. Super. Liegt schon im Altpapier, deshalb keine Details (ausserdem dann doch Angst vor schlechtem Omen falls ich es aufmachen würde). Was habt Ihr Euch denn dabei gedacht? Also habt Ihr wirklich irgendeine Zielgruppe parat die das toll finden soll? Sinnloser gehts echt nicht, wird Zeit zu wechseln. Bin mal gespannt was die Jungs von Gildemeister verschicken z.B….

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